A U.S. Army tank drives through smoke from another tank, which was disabled during a four-hour running gun battle with insurgents in Mosul, Iraq Saturday Feb. 12, 2005
Themenmodul

Frieden und Demobilisierung

In welchem Land herrscht am längsten Frieden? Was sind Friedensmissionen? Wie viele Friedensmissionen gibt es? Wer stellt die meisten Truppen für Friedensmissionen? An welchen multinationalen Einsätzen beteiligt sich Deutschland? Wo wurden DD&R-Vorhaben durchgeführt?

Das Modul „Frieden und Demobilisierung“ bietet neben Antworten auf diese Fragen weitere Informationen zu den Themenfeldern Frieden und Friedensmissionen sowie Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration.

Im Themenfeld Frieden und Friedensmissionen wird erläutert wieso die UN Friedensmissionen durchführt und auf welcher Grundlage dies geschieht. Darüber hinaus werden auch Friedensmissionen anderer Akteure, wie beispielsweise der OSZE, näher beleuchtet.

Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Frieden ist die Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (Wiedereingliederung) von ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern – das zweite Themenfeld dieses Moduls. Der Prozess wird mit dem Akronym DD&R abgekürzt. Finanziert werden DD&R Vorhaben von verschiedenen Akteuren, unter anderem durch die UN und nationalen Ministerien. Die Wiedereingliederung ist insbesondere dann schwierig, wenn Menschen nichts außer Krieg und Kämpfen gelernt haben, also über keine zivilen Fähigkeiten oder Wissen verfügen, was ihnen erlauben würde, dauerhaft ein friedliches Einkommen zu erwirtschaften.

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Friedensmissionen

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Als Friedensmissionen werden hier alle multilateralen Friedenseinsätze bezeichnet, die eingerichtet werden, um nach einem externen oder internen gewaltsamen Konflikt zu helfen, die Gesellschaften wieder zu stabilisieren, Frieden zu erhalten bzw. die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden aufzubauen.

Friedensmissionen sind vor allem als Einsätze der Vereinten Nationen bekannt geworden. Inzwischen gibt es aber weit mehr Akteure. Laut Berechnungen des schwedischen Friedensforschungsinstitutes SIPRI fanden im Jahre 2010 insgesamt 52 Friedensmissionen statt. Darunter waren 19 von den Vereinten Nationen, 12 von der Europäischen Union, sieben von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und drei von der NATO geleitete Einsätze. Auftrag, Mandat, Zusammensetzung und Umfang von Friedensmissionen unterscheiden sich erheblich. Viele sind vor allem politische Unterstützungseinsätze. Einige sind reine „Beobachtermissionen“, andere beschäftigen sich mit dem Aufbau von Polizei oder Militär. Ein Teil der Friedensmissionen hat vorwiegend militärische Komponenten. Oft sind es multidimensionale Einsätze.

Die wichtigste Aufgabe des UN-Sicherheitsrates ist laut der UN-Charta die Wahrung bzw. Wiederherstellung des Friedens. Deshalb werden in der Regel Friedensmissionen vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossen und durchgeführt oder werden von anderen internationalen Organisationen entsprechend einem Mandat des Sicherheitsrates geleitet. Die Grundprinzipien dieser Einsätze sind: Unparteilichkeit, Einsatz nur mit Einverständnis der Regierungen des Landes, in dem die Einsätze stattfinden sollen, und Gewalteinsatz im Wesentlichen nur zur Selbstverteidigung.

Neben politischen, friedenserhaltenden (peacekeeping) und Frieden aufbauenden bzw. konsolidierenden (peacebuilding) Einsätzen gibt es auch friedenserzwingende (peace enforcing) Missionen. Diese erfordern nicht die Zustimmung der jeweiligen Regierung des Gastlandes. Deshalb werden sie von der UN auch nur sehr selten beschlossen.

Nicht als „Friedensmissionen“ können Kriege wie die Intervention der NATO in Serbien/Kosovo 1999 sowie der von den USA und einigen ihrer Verbündeten geführte Krieg zum Sturz von Saddam Hussein im Irak 2003 gewertet werden. Diese wurden von Koalitionen von Staaten ohne die Autorisierung des UN-Sicherheitsrates begonnen, auch wenn sie damit gerechtfertigt wurden, dass nur so der Frieden gesichert werden könne. Erst nachdem diese Kriege einen vorläufigen Abschluss gefunden hatten, wurden UN-Friedensmissionen in diesen Ländern quasi als „Nachsorgeoperationen“ eingerichtet.

Politische, Frieden aufbauende Missionen (peacebuilding)

Politische, Frieden aufbauende Missionen unterscheiden sich von friedenserhaltenden Missionen vor allem durch die geringe Rolle, die das Militär bei diesen Einsätzen spielt. Entsprechende Missionen sind oft vor und bei Friedensverhandlungen zwischen Konfliktparteien wichtig. Manchmal werden sie nach erfolgreichen Verhandlungen von friedenserhaltenden Missionen abgelöst.

Laut SIPRI unterhielt die UN 2010 fünf solcher Missionen mit insgesamt rund 1.200 Mitarbeitern, darunter nur rund 200 Soldaten. Die umfangreichste EU-geleitete politische, Frieden aufbauende Mission findet seit 2008 im Kosovo statt. Mit rund 1.650 internationalen Mitarbeitern, darunter circa 1.100 Polizisten, soll „EULEX Kosovo“ dort rechtsstaatliche Strukturen und Handlungsweisen zu entwickeln helfen.

Friedenserhaltende Missionen (peacekeeping)

Die bekanntesten „Friedenserhalter“ sind die so genannten „Blauhelme“ - Soldaten, die in UN-geführten Einsätzen ihren Dienst tun. 1988 erhielten sie für ihre Missionen den Friedensnobelpreis.

Die erste friedenserhaltende UN-Mission war die „UN Truce Supervision Organization“ (UN-Waffenstillstandsüberwachungsorganisation), die nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 gebildet wurde. Sie existiert noch heute und bestand im Jahre 2011 aus 149 Beobachtern.

Insgesamt hat die UN seit 1946 66 friedenserhaltende Einsätze durchgeführt. Bis zum Ende des Kalten Krieges wurden nur 13 solcher Missionen beschlossen. Zwischen 1988 und 1995 wurden demgegenüber 26 Einsätze auf den Weg gebracht. Die Anzahl der Blauhelme stieg in diesem Zeitraum von 10.000 auf etwa 80.000. Dabei weitete sich das Aufgabenspektrum der friedenserhaltenden Missionen erheblich aus. Der Aufbau staatlicher Institutionen, die Überwachung von Wahlen, sowie die Bearbeitung von Konfliktursachen kamen immer häufiger zu den ursprünglichen Aufgaben der Überwachung von Waffenstillstands- und Friedensabkommen hinzu. Zunehmend erhielten die Blauhelme auch sogenannte „robuste Mandate“, also die Erlaubnis militärische Gewalt nicht nur zur Selbstverteidigung, sondern auch zu Durchsetzung ihrer Mandate – zum Beispiel dem Schutz der Zivilbevölkerung - einzusetzen.

Nach einer Phase der Ernüchterung und Zurückhaltung Ende der 1990er Jahre nahmen Anzahl und Umfang von friedenserhaltenden Missionen der UN nach 2000 wieder deutlich zu. 2011 bestanden die 15 UN-Missionen zur Friedenserhaltung aus rund 120.000 Personen, darunter rund 85.000 Soldaten und 14.000 Polizisten.

Friedenserhaltende Einsätze, die eine starke militärische Komponente enthalten, werden oft von den Vereinten Nationen an andere Akteure, zum Beispiel die NATO, delegiert. Entsprechend hat die UN im Dezember 2001 die „Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe“ (engl. International Security Assistance Force, ISAF) beauftragt, die neue afghanische Regierung bei der Sicherung des Friedens im Land zu unterstützen. Diese Regierung war nach der Vertreibung der Taliban durch die US-geführte Militärkoalition eingesetzt worden. Im Jahre 2011 umfasste die ISAF 140.000 Soldaten. Obwohl dieser Einsatz als „Krieg“ betrachten werden kann, gilt er in der Regel als „friedenserhaltend“.

Kosten von Friedensmissionen

Die Teilnehmer an Friedensoperationen werden von den jeweiligen Organisationen, die die Missionen leiten, und entsprechend den Regeln dieser Organisationen bezahlt. So werden die Kosten für die NATO-Truppen in Afghanistan zum Beispiel von den einzelnen entsendenden Staaten getragen. Die UN-Friedensmissionen werden von den UN-Mitgliedsstaaten entsprechend einem besonderen Schlüssel finanziert. Die Staaten, die Soldaten und Material entsenden, erhalten von der UN eine finanzielle Entschädigung - für jeden Blauhelmsoldat pro Monat 1.028 US-Dollar.

Herkunft der Beteiligten

Über 100 Länder beteiligten sich 2011 an den Friedensmissionen der Vereinten Nationen. Die größten Kontingente an den Blauhelmen stellten Bangladesch und Pakistan mit jeweils 10.600 Soldaten, gefolgt von Indien (8.400) und Nigeria (5.800). Die Beteiligung von entwickelten Industrieländern an diesen Missionen ist minimal. Rechnet man die UN-mandatierten NATO-Einsätze in Afghanistan und im Kosovo hinzu, so stellten die USA mit 90.000 Soldaten die meisten Truppen.

Probleme und Kritik

Die Ergebnisse von Friedensmissionen sind insgesamt sehr durchwachsen. Während in vielen Fällen eine gewalttätige Konfliktaustragung eingedämmt werden konnte, haben sie aber oft auch nicht zur Entwicklung eines dauerhaften Friedens geführt. Tiefpunkte der UN-Friedenssicherungsaktivitäten waren Ereignisse in Ruanda und Bosnien-Herzegowina: Als in Ruanda der Völkermord an den Tutsi begann, zog der UN-Sicherheitsrat 1994 einen großen Teil der dort stationierten UN-Truppen ab. In Bosnien-Herzegowina verhinderten 1995 die Blauhelme nicht die Ermordung von 8.000 Menschen in Srebrenica.

Ein Grund für die gemischte Bilanz von Friedensmissionen sind Partikularinteressen der großen Staaten, insbesondere der fünf Veto-Mächte der UN, sowie Kalküle örtlicher Konfliktparteien. Auch sind unscharfe Mandate und schlechte Ausstattung immer wieder ein Problem für Blauhelme. So fehlen der Mission der Afrikanischen Union im Sudan seit Jahren Hubschrauber, die aber kein Land zu stellen bereit ist. Besonders in Afghanistan, Irak und im Kosovo wurde zudem deutlich, dass es in Bürgerkriegssituationen keine militärischen Lösungen gibt. Auch haben sich die Hoffnungen, durch externe Interventionen die Menschenrechte sichern und demokratische Strukturen aufbauen zu können, oft als Illusion erwiesen.

Quellen und weiterführende Informationen

EU-Missionen
http://www.consilium.europa.eu/eeas/security-defence/eu-operations.aspx?lang=en

Friedensicherungseinsätze der Vereinten Nationen
http://unric.org/html/german/pkpngfaq/faq_main.html

Heinemann-Grüder, Andreas (2009): Mit UN-Einsätzen zum Frieden? In: Friedensgutachten 2009, hrsg. von Hippler, Jochen, Fröhlich, Christiane, Johannsen, Margret, Schoch, Bruno, Andreas Heinemann-Grüder, S. 175-188.

UN
http://www.un.org/en/peacekeeping/

UNRIC (Vereinte Nationen: Regionales Informationszentrum der UNO)
http://unric.org/html/german/pkpngfaq/faq_main.html

Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (Hrsg.): Glossar Friedenseinsätze
http://www.zif-berlin.org/fileadmin/uploads/analyse/dokumente/veroeffentlichungen/ZIF_Glossar.pdf

Aktuelle UN Missionen

Die wichtigste Aufgabe des UN-Sicherheitsrates ist laut der UN-Charta die Wahrung bzw. Wiederherstellung des Friedens. Deshalb werden in der Regel Friedensmissionen vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossen und durchgeführt oder werden von anderen internationalen Organisationen entsprechend einem Mandat des Sicherheitsrates geleitet. Die Grundprinzipien dieser Einsätze sind: Unparteilichkeit, Einsatz nur mit Einverständnis der Regierungen des Landes, in dem die Einsätze stattfinden sollen, und Gewalteinsatz im Wesentlichen nur zur Selbstverteidigung.

Im Jahre 2015 führte die UN 28 Missionen (davon 27 Missionen peacebuilding und/oder peacekeeping Missionen) durch. Die Missionen der UN für das Jahr 2015 sind klassifiziert in die sechs Klassen:

Aktuelle Missionen anderer Akteure

Friedensmissionen sind vor allem als Einsätze der Vereinten Nationen bekannt geworden. Inzwischen gibt es aber weit mehr Akteure. Im Jahre 2015 fanden insgesamt 64 Friedensmissionen statt. Darunter waren 24 von der Europäischen Union, 17 von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), zwei von der NATO geleitete Einsätze und 21 Missionen sonstiger Akteure neben der UN. Auftrag, Mandat, Zusammensetzung und Umfang von Friedensmissionen unterscheiden sich erheblich. Viele sind vor allem politische Unterstützungseinsätze. Einige sind reine Beobachtermissionen, andere beschäftigen sich mit dem Aufbau von Polizei oder Militär. Ein Teil der Friedensmissionen hat vorwiegend militärische Komponenten. Oft sind es multidimensionale Einsätze.

Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (DD&R)

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Nachdem ein Krieg zu Ende gegangen ist, hilft oft die internationale Staatengemeinschaft beim Wiederaufbau und der Stabilisierung der betroffenen Länder. Die Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze (eng. Department of Peacekeeping Operations - DPKO) wurde 1992 gegründet und leitet im Namen des UN-Generalsekretärs die von den Mitgliedsländern bereitgestellten Friedenstruppen der Vereinten Nationen bei Beobachtermissionen und Friedensmissionen. In das Mandat der UN-Peacekeeping-Operationen fällt auch die Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung von Kämpferinnen und Kämpfern. Der international weit verbreitete Begriff hierfür lautet „DD&R“ (eng. Disarmament, Demobilisation and Reintegration). Das UNDD&R (United Nations Disarmament, Demobilisation and Reintegration) Resource Centre führt Ländermissionen in Afrika (Burundi, Zentralafrikanische Republik, Elfenbeinküste, Demokratische Republik Kongo, Liberia, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Uganda), im asiatisch-pazifischen Raum (Afghanistan, Nepal und Salomonen) und Mittelamerika (Haiti) durch.

Worum geht es bei DD&R?

Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung ist ein Prozess, der Männer, Frauen aber auch Kinder, die als Kämpferinnen und Kämpfer in militärischen Strukturen in einem bewaffneten Konflikt mitgemacht haben, aus eben diesen herausgelöst und in ein ziviles Leben (besonders auch ziviles Erwerbsleben) zurückführt. Je nach Konflikt und Land können diese Prozesse sehr unterschiedlich ausfallen. Soll DD&R erfolgreich sein, muss seine Durchführung genau an das konkrete Umfeld bzw. Land, seine (Konflikt-)Geschichte, seine Kultur und Ökonomie angepasst werden. Problematisch wird es, wenn es an den entsprechenden Analysen mangelt und das Verständnis für diese Rahmenbedingungen fehlt.

Was bedeutet DD&R im Einzelnen?

Disarmament (Entwaffnung): Bei diesem in der Regel ersten Schritt geben die Kämpferinnen und Kämpfer die Waffen ab. Dies passiert zumeist in speziell dafür vorgesehenen und vorbereiteten Zentren, z.B. Camps.
Allerdings schafft die Entwaffnung keinesfalls automatisch Sicherheit. So kann sie auch zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage führen, wenn z.B. die Glaubwürdigkeit des Waffenstillstandsabkommens oder Friedensvertrages angezweifelt wird oder wenn es sich um eine unfreiwillige Entwaffnung unter starkem Zwang handelt.

Demobilisation (Demobilisierung): Demobilisierung bedeutet die formale Entlassung der Kämpferinnen und Kämpfer sowie die Auflösung der militärischen Strukturen. Oft besiegelt ein formales Dokument den Schnitt zwischen dem militärischen und dem zivilen Leben. Dies ist jedoch erst der Anfang eines viel längeren Prozesses, der vor allem in den Köpfen der Betroffenen vollendet werden muss.
In der Phase der Demobilisierung erhalten die Menschen oft medizinische oder psychologische Betreuung sowie erste materielle Unterstützung durch Essen, Kleidung und Alltagsgegenstände. Die Demobilisierungsstellen führen Gespräche, halten Vorträge und erfassen Daten. Schließlich geht es um die Frage, welchen Weg die Frau bzw. der Mann gehen, welche Ausbildungsoption sie oder er wählen und wo sie oder er sich niederlassen möchte. Dies führt zur letzten Phase, der Reintegration.

Reintegration (Wiedereingliederung): Reintegration ist ein mittel- bis langfristiger Prozess mit Ausbildungsabschnitten, Einkommenserwerb und auch Bargeldzuwendungen. All dies dient dazu das Potenzial der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer sowie deren Familien zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wiedereingliederung zu erhöhen.
Die sozioökonomische Reintegration ist ein sehr anspruchsvoller und schwieriger Weg, weil Postkonfliktländer oft nur über sehr schwache Wirtschaftsstrukturen verfügen, etwa wenn viel Infrastruktur zerstört wurde und die wirtschaftliche Entwicklung zum Erliegen kam. Manche Kämpferinnen und Kämpfer sind gesellschaftlich stigmatisiert, weil sie Gräueltaten an der Bevölkerung begangen haben. Die Wiedereingliederung ist insbesondere dann schwierig, wenn Menschen nichts außer Krieg und Kämpfen gelernt haben, also über keine zivilen Fähigkeiten oder Wissen verfügen, was ihnen erlauben würde, dauerhaft ein friedliches Einkommen zu erwirtschaften.

Bei der sozioökonomischen Reintegration geht es also um die Bereiche:

Bei der politischen Reintegration steht der Zugang zu politischen (Willensbildungs)prozessen im Mittelpunkt. Sie umfasst nicht nur die Durchführung von Wahlen, sondern auch insgesamt die Teilhabe an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen wie Parteiarbeit, Mitwirkung in der Zivilgesellschaft oder bei unterschiedlichen Entscheidungsprozessen in der Gemeinschaft.

Die Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung ist also keineswegs eine einfache Abfolge von technischen Schritten, die die ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer durchlaufen. DD&R ist ein politischer Prozess mit vielen Verbindungen in Bereiche wie z.B.

Was kostet DD&R?

Die Teilnahme einer Person in einem DD&R-Prozess kostet im Schnitt (Bezugsjahr 2006) ca. 1.200 Euro (Caramés 2009). Dieser Betrag wird nicht etwa an die Teilnehmerin oder den Teilnehmer ausgezahlt, sondern bezieht sich auf die Kosten eines DD&R-Programms pro Person. Sie setzen sich z.B. aus Sachleistungen oder Aufwendungen für Unterricht und Ausbildungsmaßnahmen zusammen. Diese Durchschnittssumme ist angesichts der meist sehr niedrigen Pro-Kopf-Einkommen in den meisten Ländern mit DD&R-Prozessen recht beachtlich. Dies belegen einige Beispiele aus dem Jahr 2008 (Caramés und Sanz 2009): der DD&R-Prozess in Angola 2003 bis 2009 umfasste 138.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und kostete 181.000.000 Euro, der in der Demokratischen Republik Kongo (2005 bis 2008) mit 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern 18.400.000 Euro.

Die Gesamtkosten eines solchen DD&R-Prozesses können je nach Herkunft der Gelder untergliedert werden in z.B.:

  1. Kosten der UN-Mission,
  2. Kosten des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) oder der Weltbank für die Reintegration und
  3. Kosten der nationalen Regierung (z.B. für das Personal der Reintegrationsbehörde etc.).

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Charakter von DD&R stark verändert. Während DD&R im kalten Krieg auf Entwaffnung und Demobilisierung von staatlichen Militärs fokussiert war, wurde es in den 1990er Jahren Teil von Prozessen in der Transformation von Konflikt zu Frieden. Auch wenn die klassischen Friedenssicherungs- und Beobachtermissionen immer noch stattfinden, stellen die UN-Einsätze heute in der Regel komplexere Stabilisierungs- und Staatsaufbauprojekte dar, in die Maßnahmen zur Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung eingepasst werden.

In den folgenden Infotexten sollen einige Beispiele für DD&R vorgestellt werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Caramés, Albert (2009): Analysis of the Disarmament, Demobilisation and Reintegration (DD&R) programs existing in the world during 2006. Bellaterra: School for a Culture of Peace, S. 23.

Caramés, Albert und Eneko Sanz (2009), DD&R 2009. Analysis of Disarmament, Demobilisation and Reintegration (DD&R) Programmes in the World during 2008. Bellaterra: School for a Culture of Peace.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.
http://www.frieden-sichern.de/dpko.html

United Nations Department of Peacekeeping Operations Office of Rule of Law and Security Institutions: DD&R in peace operations a retrospective
http://unDD&R.org/docs/DD&R_retrospective.pdf

United Nations Disarmament, Demobilization and Reintegration Resource Centre
http://www.unDD&R.org/index.php

ZIF Zentrum für Internationale Friedenseinsätze
http://www.zif-berlin.org/fileadmin/uploads/analyse/dokumente/veroeffentlichungen/ZIF_Glossar.pdf

Was versteht man unter Reintegration?

Die sozioökonomische Wiedereingliederung von Exkombattantinnen und Exkombattanten ist ein sehr anspruchsvoller und schwieriger Weg, weil Postkonfliktländer oft nur über schwache Wirtschaftsstrukturen verfügen, etwa wenn viel Infrastruktur zerstört wurde und die wirtschaftliche Entwicklung zum Erliegen kam. Manche Kämpferinnen und Kämpfer sind gesellschaftlich stigmatisiert, weil sie Gräueltaten an der Bevölkerung begangen haben. Die Wiedereingliederung ist insbesondere dann schwierig, wenn Menschen nichts außer Krieg und Kämpfen gelernt haben, also über keine zivilen Fähigkeiten oder Wissen verfügen, was ihnen erlauben würde, dauerhaft ein friedliches Einkommen zu erwirtschaften.

Notwendig sind zunächst also oft Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung. Darüber hinaus geht es aber um die Bereiche Wiedererlangung der physischen und psychischen Gesundheit, An- und Einpassung an bzw. in zivile Gemeinschaften, das Finden einer Beschäftigung und Einkommensquelle sowie der Erlangung von Anerkennung und sozialem Status.

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