A U.S. Army tank drives through smoke from another tank, which was disabled during a four-hour running gun battle with insurgents in Mosul, Iraq Saturday Feb. 12, 2005
Themenmodul

Militärische Kapazitäten und Mittel

Militärische Ressourcen


BICC 09/2011

Fast alle Staaten haben einen eigenen Militärapparat bzw. Streitkräfte, denen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen. Zum einen sind das professionelle Soldaten, also eine gewisse Anzahl entsprechend ausgebildeter und uniformierter Männer und Frauen. Zum anderen zählen zu „militärischen Ressourcen“ auch die verschiedenen Technologien, die Soldaten bei der Ausübung ihres Mandats einsetzen. Das reicht von kleinen, tragbaren Waffen wie Sturmgewehren, Maschinenpistolen oder Panzerfäusten bis hin zu großen, komplexen Waffensystemen und/oder Transportmitteln wie Panzern, Schiffen und Flugzeugen.

Sowohl Soldaten als auch Waffensysteme kosten Geld. Das Geld, welches Staaten in ihre Streitkräfte investieren – um damit ihre Soldaten zu bezahlen, neue Soldaten anzuwerben sowie Waffensysteme und militärisches Gerät zu kaufen oder zu warten – kommt gemeinhin in ihren Militärausgaben bzw. dem „Verteidigungshaushalt“ zum Ausdruck. Während diese Ausgaben nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in den späten 1980er Jahren zunächst gesunken waren, stiegen sie spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 und den darauf folgenden Kriegen im Irak und in Afghanistan wieder massiv an. Im Jahr 2009 betrugen die absoluten Militärausgaben aller Staaten weltweit mehr als 1.500 Milliarden (1,5 Billiarden) US-Dollar – das ist mehr als jemals zuvor in Streitkräfte investiert wurde.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Länder gleich viel Geld für ihr Militär ausgeben. Dementsprechend sind Streitkräfte auch unterschiedlich groß und verfügen über sehr verschiedene Kapazitäten. Vor allem arme Staaten können es sich oft nicht leisten, einen großen Militärapparat mit vielen Soldaten und den neuesten Waffentechnologien zu unterhalten. Militärangehörige sind dann häufig unterbezahlt und nur schlecht ausgerüstet. Reiche Staaten wiederum investieren sehr viel mehr Geld in ihr Militär. So macht der Verteidigungshaushalt der USA mit 684  Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 zum Beispiel ca. die Hälfte aller weltweiten Militärausgaben aus.

Obwohl die reichsten Staaten – in absoluten Zahlen – am meisten Geld in militärische Ressourcen investieren, waren es vor allem die sogenannten Schwellenländer mit schnell wachsenden Volkswirtschaften, die ihre Militärausgaben in den letzten Jahren am stärksten erhöht haben. Hierzu zählen z.B. Länder wie China und Indien aber auch Russland.

Die geringsten Steigerungsraten waren in den ärmsten Ländern zu verzeichnen. Relativ zur eigenen Wirtschaftsleistung beziehungsweise Bevölkerung haben diese Staaten meist nur sehr schwache Streitkräfte – gerade auch im Vergleich zu anderen Staaten, denen mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. Diesen Länder, die auch als „fragile“ Staaten bezeichnet werden, fällt es schwer, ein Gewaltmonopol im eigenen Territorium durchzusetzen: nicht staatliche bewaffnete Gruppen nutzen die Schwäche des Staates aus, um politische und/oder ökonomische Interessen gewaltsam durchzusetzen.

Dennoch: das Verhältnis zwischen Militärausgaben und anderen öffentlichen Ausgaben, wie beispielsweise für Bildung oder Gesundheit, ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Meinungen, ob Gelder eher für das Militär oder für andere Bereiche ausgegeben werden sollen, gehen oft auseinander. Wird zu wenig in die Gesundheit und zu viel in die Streitkräfte investiert? Inwiefern rechtfertigen derzeitige Bedrohungen die Höhe des jeweiligen Militärhaushalts? Was sind überhaupt die „Bedrohungen“, denen es militärisch zu begegnen gilt?

Tatsächlich können auch Militärhaushalte selber Bedrohungswahrnehmungen auslösen. Wenn z. B. ein Land seine Ausgaben für die Streitkräfte plötzlich erhöht, werden sich seine Nachbarn möglicherweise bedroht fühlen und ihrerseits den Militärhaushalt aufstocken. Ein sogenannter „Rüstungswettlauf“ entsteht wie z.B. zwischen Pakistan und Indien oder seinerzeit im sogenannten Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion.

Gerade in armen Staaten können sich zu hohe Militärausgaben negativ auf die „menschliche Sicherheit“ der Bevölkerung auswirken. Das Geld, das für die Streitkräfte ausgegeben wird, fehlt dann womöglich, um eine medizinische Grundversorgung der Bürger zu gewährleisten. Der Frage, ob militärische Ressourcen nicht sinnvoller auf andere Bereiche umgeschichtet werden können, sollten sich aber auch wohlhabendere Staaten mit einer vergleichsweise guten sozialen Grundsicherung stellen. So geben die 30 reichsten Staaten der Welt im Durchschnitt fast zehn Mal so viel für ihr Militär als für Entwicklungshilfe aus.

Nicht staatliche militärische Ressourcen

Die im Infoportal vorgestellten Graphiken beziehen sich ausschließlich auf staatliche Ausgaben für Streitkräfte. Allerdings sollte dabei nicht übersehen werden, dass in zunehmendem Maße auch nicht staatliche Akteure Geld in militärische Kapazitäten investieren. Hierzu gehören zum einen sogenannte private Militärfirmen, also Unternehmen, die Dienstleistungen mit einem explizit militärischen Charakter anbieten (z. B. bewaffneter Schutz in Kriegsgebieten, militärische Beratung und Ausbildung von Soldaten oder verschiedene Logistik- und Wartungsarbeiten). Der jährliche Umsatz dieser Firmen wird auf mindestens 200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Traurige Bekanntheit erlangte z.B. die US-Firma Blackwater, die im Irak auch gegen Zivilisten vorging.

Andere nicht staatliche Akteure mit militärischem Charakter sind bewaffnete Rebellen- und Oppositionsgruppen, wie sie üblicherweise in Bürgerkriegen auftreten. Diese spielen eine immer wichtigere Rolle bei aktuellen Gewaltkonflikten. Dies gilt etwa für die Lord’s Resistance Army (LRA, „Widerstandsarmee des Herrn“), eine paramilitärische Gruppe, die im Norden Ugandas gegen die Regierung Musevenis und für die Errichtung eines christlichen Gottesstaates kämpft, dabei aber immer wieder auch Dörfer in der Demokratischen Republik Kongo, dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik überfällt. In mehr als 90 Prozent aller Kriege war in den letzten Jahren mindestens eine nicht staatliche bewaffnete Gruppe an den Auseinandersetzungen beteiligt.

Schließlich ist noch zu beachten, dass immer mehr kriminelle Organisationen, wie beispielsweise transnationale Drogenkartelle, sich mit militärischen Waffen und Gerät ausrüsten. Extrem zugespitzt stellt sich die Situation etwa in Mexiko dar, wo Militär und Polizei einen Krieg gegen professionell bewaffnete und organisierte Milizen der Drogen-Mafia führen.

Neben staatlichen Militärausgaben gibt es also eine Vielzahl nicht staatlicher Investitionen in militärische Ressourcen. Vieles spricht dafür, dass sie über die letzten Jahre zugenommen haben. Allerdings fehlen dazu verlässliche Zahlen, so dass diese Ausgaben in unseren Statistiken nicht mit berücksichtigt werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Bonn International Center for Conversion (BICC), Jahresbericht 2007/2008
http://www.bicc.de/uploads/tx_bicctools/bicc_jahresbericht_2008_2009.pdf

International Institute for Strategic Studies (IISS), The Military Balance 2010, London: Routledge, 2010.
http://www.iisd.org

Stockholm International Peace Research Insitute (SIPRI), SIPRI Yearbook 2010, Oxford: Oxford University Press, 2010.
http://www.sipri.org/yearbook/2010

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