A U.S. Army tank drives through smoke from another tank, which was disabled during a four-hour running gun battle with insurgents in Mosul, Iraq Saturday Feb. 12, 2005
Themenmodul

Massenvernichtungswaffen

Wie viele Atomwaffen gibt es zurzeit? Welches Land hat wie viele Atomreaktoren? Wo wird Uran abgebaut? In welchem Land leben die meisten Menschen im Umkreis eines Atomkraftwerkes? Welche Länder besitzen biologische oder chemische Kampfstoffe?

Diese und weitere Fragen beantwortet das Modul „Massenvernichtungswaffen“ in den vier großen Themenfeldern TrägersystemeAtomwaffenBiowaffen und Chemiewaffen.

Der Begriff Massenvernichtungswaffen hat eine lange, wechselhafte Geschichte. Eine allgemein anerkannte oder völkerrechtlich verbindliche Definition gibt es nicht. Die kollektive Bezeichnung von atomaren, biologischen, chemischen und nuklearen Waffen als Massenvernichtungswaffen ist jedoch in mehrfacher Hinsicht problematisch und fragwürdig. Zwischen den einzelnen Waffenarten gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich ihrer tödlichen Wirkung, ihrer militärischen Nutzbarkeit, ihrer Wirksamkeit und ihrer Einsetzbarkeit. Schließlich gibt es auch Waffenarten, mit denen in den Kriegen und Konflikten der Vergangenheit weit mehr Menschen getötet wurden als mit atomaren, chemischen und biologischen Waffen, wie beispielsweise Klein- und Leichtwaffen oder auch Landminen.

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Massenvernichtungswaffen – ein politischer Begriff

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Der Begriff Massenvernichtungswaffen hat eine lange, wechselhafte Geschichte. Eine allgemein anerkannte oder völkerrechtlich verbindliche Definition gibt es nicht. Eine in Politik und Gesellschaft weitverbreitete indirekte Definition liefert jedoch Resolution #1540 des UN Sicherheitsrates vom 28. April 2004, in der es heißt, dass die „Weiterverbreitung von nuklearen, chemischen und biologischen Waffen sowie ihrer Träger eine Bedrohung für den internationalen Frieden und Sicherheit“ darstellen und dass die „Weitervergabe (…) aller Massenvernichtungswaffen“ verhindert werden soll.

Der moralisch und ethisch negativ besetzte Begriff ‚Massenvernichtungswaffen’ wird – wie der folgend beschriebene Bedeutungswandel des Begriffes zeigt – von den jeweiligen politischen Akteuren unterschiedlich verstanden.

Cosmo Gordon Lang, der Erzbischof von Canterbury, sprach 1937 als erster von Massenvernichtungswaffen, nachdem die Legion Condor die spanische Stadt Guernica bombardiert hatte. Diese verdeckt operierende Truppe der Deutschen Wehrmacht erprobte im spanischen Bürgerkrieg neue konventionelle Waffen und Techniken des Luftkrieges, die massenhaft zivile Opfer  gefordert hatten. Nach Hiroshima, Nagasaki und dem Ende des zweiten Weltkriegs fand sich der Begriff erneut in der ersten Resolution der Generalversammlung der gerade neu gegründeten Vereinten Nationen. Dort bezeichnet er „Atomwaffen und alle anderen Waffen, die zur Massenvernichtung genutzt werden“ können. Während des Kalten Krieges wurde er weitgehend zu einem Synonym für Atomwaffen.

Sein Ende brachte das Thema „ Massenvernichtungswaffen“ aus zwei Gründen verstärkt auf die internationale Tagesordnung. Zum einen hatte sich im Kontext des 2. Golfkrieges 1990/91 gezeigt, dass es dem Irak unter Saddam Hussein trotz der bestehenden Nichtverbreitungsregime gelungen war, unentdeckt erhebliche Fortschritte beim Bau nuklearer Waffen und von weitreichenden Trägersystemen für chemische Waffen zu machen. Die Instrumente der Internationalen Gemeinschaft, die Weiterverbreitung atomarer, biologischer und chemischer Waffen zu verhindern, hatten sich als zu schwach erwiesen. Zum anderen rief der zeitgleich stattfindende Zerfall der Sowjetunion große Sorgen hervor, dass ABC-Waffen oder die Materialien und Technologien für deren Bau aus den Nachfolgerepubliken der UdSSR in andere Länder diffundieren könnten.

Auf diese Entwicklungen reagierten die USA unter Präsident Clinton mit einem Konzept, das eine Mischung aus eigenen kleinen Abrüstungsschritten, deutliche  Bemühungen um verbesserte Nichtverbreitungsmechanismen sowie eine Unterstützung der Nachfolgestaaten der UdSSR bei der Sicherung ihres A-, B- und C-Erbes beinhaltete. Sie nutzten den Begriff „Massenvernichtungswaffen“ ab 1993 regelmäßig als Sammel- und Kurzbezeichnung für alle für atomaren, biologischen und chemischen Waffen sowie deren Trägersysteme und erklärten die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu einer der wichtigsten Bedrohungen der Zukunft. Dieser gelte es notfalls sogar mit Waffengewalt entgegenzutreten.

Eine erneute Veränderung seiner Bedeutung erfuhr der Begriff nach den Terroranschlägen von 11. September 2001. Die bereits während der Clinton-Administration immer wieder diskutierte Gefahr, dass auch nicht staatliche Akteure wie zum Beispiel Terroristen versuchen könnten, in den Besitz solcher Waffen zu kommen, gewann in der Bedrohungswahrnehmung in den USA schnell überproportional an Bedeutung. Bald wurde jedoch auch klar, dass die Gefahr, dass Terroristen sich Zugang zu kompletten, einsatzfähigen Atomwaffen und deren Trägersystemen verschaffen könnten, wesentlich geringer und weniger realistisch war, als das Risiko, dass sich solche Akteure giftiger oder biologischer Substanzen sowie stark strahlender nuklearer Materialien bemächtigen und diese todbringend zum Einsatz bringen könnten. Im Kontext der Diskussion über die Innere Sicherheit vor Terroranschlägen wurde nun immer häufiger vor radiologischen Waffen gewarnt, also vor der sogenannten „schmutzigen Bombe“, bei der eine Mischung aus konventionellem Sprengstoff und strahlendem Nuklearmaterial zum Einsatz gebracht werden würde. Auch diese wurden zu den  Massenvernichtungswaffen gezählt.

Die kollektive Bezeichnung von atomaren, biologischen, chemischen und radiologischen Waffen als Massenvernichtungswaffen ist jedoch in mehrfacher Hinsicht problematisch und fragwürdig. Zwischen den einzelnen Waffenarten gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich ihrer tödlichen Wirkung, ihrer militärischen Nutzbarkeit, ihrer Wirksamkeit und ihrer Einsetzbarkeit.

Am besten trifft der Begriff auf atomare Waffen zu. Sie wirken unterschiedslos gegen militärische Kämpfer und unbeteiligte Zivilisten. Schon eine einzelne Waffe kann eine riesige Zahl von Menschen und auch über größte Entfernungen binnen kürzester Zeit umbringen. Die Hemmnisse gegen den Einsatz atomarer Waffen zur Massenvernichtung sind meist politischer oder psychologischer, nicht aber technischer Art.

Chemische Waffen dagegen töten nur dann eine große Zahl von Menschen, wenn sie massiv eingesetzt werden und/oder wenn den Opfern keine Schutzkleidung zur Verfügung steht. Zudem wirken sie oft nur dann wie gewünscht, wenn der Wind nicht in die falsche Richtung bläst. Ist eine massenhafte Vernichtung von Menschenleben das militärische Ziel, so sind chemische Waffen oft kein geeignetes Mittel.

Radiologische Waffen können ebenfalls kaum als Massenvernichtungswaffen bezeichnet werden. Sie wirken räumlich eher eng begrenzt. Für ein gezieltes massives Töten sind „schmutzige Bomben“ kaum geeignet.

Bei biologischen Waffen kann wie bei atomaren Waffen eine geringe Menge des Waffenmaterials eine sehr große Zahl von Menschen töten. Trotzdem stehen ihrem effektiven militärischen Einsatz erhebliche technische Hindernisse im Weg. Zum einen besteht das Problem, die Substanzen großflächig auszubringen. Zum anderen ist ihr effektiver und rascher Einsatz über große Entfernungen technisch nur schwer zu bewältigen, z.B. weil Raketengeschosse extrem hohe Temperaturen entwickeln, welche die Viren oder Bakterien vernichten würden.

Schließlich gibt es auch Waffenarten, mit denen in den Kriegen und Konflikten der Vergangenheit weit mehr Menschen getötet wurden als mit atomaren, chemischen und biologischen Waffen, wie beispielsweise Klein- und Leichtwaffen oder auch Landminen. Der Blutzoll, den diese Waffen gefordert haben, hat hinsichtlich der Opferzahlen mit Berechtigung dazu geführt, dass der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan sie 2001 wegen ihrer weiten Verbreitung und ihres Zerstörungspotenzials die „wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit“ genannt hat.

Was versteht man unter Trägersystemen?

Als Trägermittel für atomare, biologische oder chemische Waffen können sehr unterschiedliche Systeme dienen, wie beispielsweise Artilleriegeschütze, Raketen, Marschflugkörper, Flugzeuge, Hubschrauber oder Torpedos. Auch Kombinationen unterschiedlicher Systeme wie z.B. Flugzeuge mit Marschflugkörpern oder U-Boote mit Torpedos oder Marschflugkörpern können genutzt werden. Nicht alle Systeme eignen sich gleich gut als Träger für die verschiedenen Arten von „Massenvernichtungswaffen“. Langstreckenraketen sind beispielsweise ein äußerst unwirtschaftliches Transportmittel für Chemiewaffen und passen kaum für den Einsatz biologischer Waffen. Ein Artilleriegeschütz kann zwar chemische oder atomare Waffen im lokalen Gefecht verschießen, taugt aber nicht zum Einsatz von Atomwaffen großer Sprengkraft.

Atomwaffen

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Atomwaffen (auch Kernwaffen und Nuklearwaffen genannt) sind Massenvernichtungswaffen, deren Wirkungen auf Kernspaltung oder Kernfusion beruhen. Zu ihrer Herstellung wird entweder zu über 90 Prozent hoch angereichertes Uran aus Urananreicherungsanlagen oder in Wiederaufbereitungsanlagen aus abgebrannten Kernbrennstäben separiertes Plutonium benötigt. Je nach Größe und Explosionsort (am Boden oder in der Luft) kann eine einzige Atombombe größere Flächen zerstören und damit auch viele zehntausende bzw. sogar hunderttausende Menschen töten. Nicht zur Kategorie von Atomwaffen gehören so genannte radiologische Waffen („Schmutzige Bomben“), bei denen durch die Zündung konventioneller Sprengstoffe radiologisches Material verbreitet wird, wobei es zu keiner nuklearen Kettenreaktion kommt.

Einsatz von Atomwaffen

Das US-Atomwaffenprogramm begann während des Zweiten Weltkrieges aus Furcht, dass Hitler-Deutschland eine solche Waffe entwickeln könnte. Nach der Kapitulation Hitlers, als in Asien noch Krieg gegen Japan herrschte, warfen die USA per Flugzeug am 6. August 1945 über Hiroshima und am 9. August über Nagasaki jeweils eine Atombombe ab. Mindestens 100.000 Menschen starben in den beiden Städten noch am Tag des Bombenabwurfs. Den mittelbaren Folgen durch Brandwunden und radiologische Strahlung fielen in den folgenden vier Monaten 100.000 bis 150.000 weitere Menschen zum Opfer (Radiation Effects Research Foundation).

Die US-Regierung rechtfertigte den Atombombeneinsatz damit, dass so Menschenleben - vor allem amerikanische – hätten gerettet werden können, da Japan auf diese Weise ohne US-Bodenoffensive zu einer schnellen Kapitulation hätte gezwungen werden können. Doch einige Experten halten dem entgegen, dass Japan ohnehin kurz vor der Kapitulation stand. Der Einsatz der Atombombe sei auch als eine Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion gedacht gewesen.

Auch in späteren Konflikten (u.a. Korea-Krieg, Vietnamkrieg) befürworteten führende US-Militärs und US-Politiker einen Einsatz von Atomwaffen. Allerdings entschied sich die US-Administration aus politischen, ethischen und militärischen Gründen immer gegen solche Vorschläge.

Proliferation von Atomwaffen

Nach den USA führte die Sowjetunion 1949 als zweites Land einen Atomwaffentest durch. 1952 folgte der US-Bündnispartner Großbritannien, 1960 Frankreich, 1964 China. Eine gewisse Zeit später besaßen diese Staaten dann auch einsatzfähige Atomwaffen. Indien führte 1974 und 1998 einen Atomtest durch, Pakistan folgte ebenfalls 1998. Wohl seit 1967 besitzt Israel Atomwaffen, ohne jemals offiziell einen Atomwaffentest durchgeführt zu haben. Nordkorea führte 2006 und 2009 nukleare Tests durch und besitzt anscheinend nuklearwaffenfähiges Material, aber wohl noch keine einsatzfähigen Atomwaffen. Ein weiteres Land, das verdächtigt wird, ein Atomwaffenprogramm zu haben, ist der Iran.

Weswegen streben Staaten nach Atomwaffen? Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Bedrohungswahrnehmung. Atomwaffen werden als letzte „Sicherheitsgarantie“ betrachtet – sei es gegen konventionelle Überlegenheit oder gegen Atomarsenale anderer Staaten. Dies war zum Beispiel der vorrangige Grund für die USA (gegen Hitler-Deutschland), für die Sowjetunion (gegen die USA), für China (gegen die USA und später auch die Sowjetunion), für Indien (gegen China), für Pakistan (gegen Indien), für Israel (gegen die arabischen Staaten) und für Nordkorea (gegen die USA und Südkorea).

Ein weiterer Grund ist die Auffassung, dass Atomwaffen das Ansehen und Prestige des eigenen Landes erhöhen. Damit wird die Hoffnung verbunden, den eigenen Einfluss vergrößern zu können. Dieses Motiv dürfte zum Beispiel für Großbritannien und Frankreich mit entscheidend für ihr Atomwaffenstreben gewesen sein.

Zahlreiche weitere Staaten haben die Entwicklung von eigenen Atomwaffen zeitweise erwogen, bzw. zeitweise Nuklearwaffenprogramme betrieben. Dazu gehören Argentinien, Australien, Ägypten, Brasilien, die Bundesrepublik Deutschland, der Irak, Japan, Kanada, Libyen, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Südafrika und Südkorea. Während der Irak erst nach der militärischen Niederlage im Golfkrieg 1991 sein Atomwaffenprogramm einstellte, beendeten alle übrigen Staaten ihre Programme aus innenpolitischen Gründen, wegen Bündnisbeziehungen zu einer Nuklearmacht („nuklearer Schirm“) oder im Zusammenhang mit diplomatischen Bemühungen.

Die Staaten, die ihre Atomwaffenüberlegungen und -programme wieder eingestellt haben, schätzten ein, dass Atomwaffen für ihre Sicherheit und ihr Prestige nicht nötig oder sogar schädlich seien. Auch die Entstehung der neuen Atommächte Israel und Nordkorea hat bisher nicht zu einer weiteren nuklearen Proliferation in der jeweiligen Region geführt, obwohl die Konflikte dort gravierend sind. Die tatsächlich stattgefundene nukleare Proliferation ist damit geringer ausgefallen als oftmals vermutet.

Anzahl von Atomwaffen

Vor allem wegen des Wettrüstens zwischen den USA und der Sowjetunion nahm die Anzahl der Atomwaffen bis Mitte der 1980er Jahre rasant zu. Damals gab es 70.000 Atomwaffen auf der Welt, der überwiegende Teil befand sich im Besitz der USA und der Sowjetunion. Das war mehr als genug, um die Welt mehrfach in die Luft zu sprengen.

2012 gab es insgesamt noch etwa 19.000 Atomsprengköpfe (s. Federation of American Scientists). Auch dies reicht noch für einen mehrfachen Overkill aus. Russland besitzt insgesamt 10.000 Atomwaffen, wovon 1.800 unmittelbar einsatzbereit sind, während 3.700 in Reserve gehalten werden und weitere 4.500 zur Demontage bestimmt sind. Die USA haben insgesamt 8.000 Atomwaffen. Davon sind 2.150 unmittelbar einsatzbereit, 2.850 werden in Reserve gehalten und weitere 3.000 sind zur Demontage vorgesehen.

Die übrigen Staaten haben erheblich weniger Atomwaffen: Frankreich 300, China 240, Großbritannien 225, Pakistan 90 bis 110, Indien, 80 bis 100, Israel 80. Nordkorea hat atomwaffenfähiges Material für weniger als 10 Sprengköpfe.

Kritik an Atomwaffen

Die Kritik an Atomwaffen ist so alt wie die Atomwaffen selbst. Die Schrecken der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki, die gesundheitlichen Folgen von Atomwaffentests, vor allem aber die Gefahren des Rüstungswettlaufs zwischen den nuklearen Supermächten während des Kalten Krieges haben immer wieder Proteste der Friedensbewegungen hervorgerufen und auch staatliche Bemühungen um eine Kontrolle und Abrüstung nuklearer Waffen gefördert.

Nachdem die Welt 1962 in der Kuba-Krise am Rande eines Nuklearkrieges zwischen den USA und der Sowjetunion stand, konnte 1963 mit dem partiellen Teststoppvertrag zwischen den USA, der Sowjetunion und Großbritannien1963 ein erster Erfolg erzielt werden. Es folgten 1968 der Atomsperrvertrag und verschiedene bilaterale Abkommen zwischen der Sowjetunion/Russland und den USA ab 1972. Das letzte wurde 2010 abgeschlossen.

Trotz des Endes des Kalten Krieges blieb die Anzahl der Atomwaffen hoch und auch die Einsatzdoktrinen wurden kaum geändert. Seit etwa 2008 nahm die Diskussion um eine atomwaffenfreie Welt zu. Zum einen wuchs der Zweifel an der militärischen und politischen Nützlichkeit von Atomwaffen. Zum anderen nahm die Befürchtung zu, die Gefahren der Proliferation ohne drastische Kürzungen der Atomarsenale der Großmächte und ohne das Ziel einer globalen Nulllösung nicht erfolgreich eindämmen zu können. Allerdings blieb das Ziel einer atomwaffenfreien Welt umstritten. Die Atommächte wie auch die NATO sehen Atomwaffen nach wie vor als letzte Garanten ihrer Sicherheit an und betreiben aktuell eine teure Modernisierung ihrer Arsenale.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag urteilte schon 1996 in einem Rechtsgutachten,, „dass die Androhung oder der Einsatz von Atomwaffen im allgemeinen gegen die Regelungen des Völkerrechts verstoßen würde, die für bewaffnete Konflikte gelten, und insbesondere gegen die Prinzipien und Regelungen des humanitären Völkerrechts". Allerdings ließ er offen, „ob die Androhung oder der Einsatz von Atomwaffen in einem extremen Fall der Selbstverteidigung, bei dem das Überleben aufs Äußerste gefährdet wäre, legal oder illegal sei" (International Court of Justice).

Quellen und weiterführende Informationen

Atomwaffen A –Z, Internetportal des Trägerkreises Atomwaffen abschaffen – bei uns anfangen
http://www.atomwaffena-z.info/

Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland (2010): 26. Forum Globale Fragen ‚Global Zero’ - Herausforderungen auf dem Weg zu einer kernwaffenfreien Welt.
ttp://www.auswaertigesamt.de/cae/servlet/contentblob/618050/publicationFile/168678/Dokumentation.pdf

Federation of American Scientists (2012): Status of Nuclear Forces 2012.
ttp://www.fas.org/programs/ssp/nukes/nuclearweapons/nukestatus.html

International Court of Justice. Reports of Judgements, Advisory Opinions and Orders (1996): Legality of the Threat or Use of Nuclear Weapons, Advisory Opinion. 
http://www.icj-cij.org/docket/files/95/7495.pdf

Kristensen, Hans M. (2012): Non-Strategic Nuclear Weapons; in: FAS Special Report No 3.
http://www.fas.org/_docs/Non_Strategic_Nuclear_Weapons-lr.pdf

Radiation Effects Research Foundation. A Cooperative Japan-US Research Organisation: Frequently asked questions
http://www.rerf.or.jp/general/qa_e/qa1.html

Potter, William C. und Gaukhar Mukhatzhanova (2010): Forecasting Nuclear Proliferation in the 21st Century, Vol I und Vol II, Stanford/USA.

Was versteht man unter Atomwaffen?

Atomwaffen (auch Kernwaffen und Nuklearwaffen genannt) sind Massenvernichtungswaffen, deren Wirkungen auf Kernspaltung oder Kernfusion beruhen.

Zu ihrer Herstellung wird entweder zu über 90 Prozent hoch angereichertes Uran aus Urananreicherungsanlagen oder in Wiederaufbereitungsanlagen aus abgebrannten Kernbrennstäben separiertes Plutonium benötigt. Je nach Größe und Explosionsort (am Boden oder in der Luft) kann eine einzige Atombombe größere Flächen zerstören und damit auch viele zehntausende bzw. sogar hunderttausende Menschen töten.

Zum Ende des 2. Weltkrieges, nach der Kapitulation Hitlers, als in Asien noch Krieg gegen Japan herrschte, warfen die USA per Flugzeug am 6. August 1945 über Hiroshima und am 9. August über Nagasaki jeweils eine Atombombe ab.

Nicht zur Kategorie von Atomwaffen gehören so genannte radiologische Waffen („Schmutzige Bomben“), bei denen durch die Zündung konventioneller Sprengstoffe radiologisches Material verbreitet wird. Dabei kommt es nicht zu einer nuklearen Kettenreaktion.

Was versteht man unter der Produktion nuklearen Materials?

Uran und Plutonium sind metallische, radioaktive chemische Elemente. Beide Stoffe können in Bergwerken abgebaut werden, jedoch kommt Plutonium äußerst selten in der Erdkruste vor, so dass es meist künstlich hergestellt wird.

Uran kommt in sehr geringen natürlichen Mengen in Boden und Wasser vor. Lagerstätten mit hohen Anteilen an Uran werden von der IAEO in 14 unterschiedliche Typen eingeteilt. Die Anteile des Urans im Gestein schwanken und es werden unterschiedliche Verfahren zur Gewinnung genutzt. Marokko zählt zu den Ländern mit den größten Uranvorkommen, auf die jedoch bisher nicht zurückgegriffen werden. Die größten genutzten Lagerstätten befinden sich in Australien und Namibia.

Plutonium spielt eine große Rolle beim Bau von Atomwaffen. Es entsteht entweder in den Brennelementen von Atomkraftwerken oder wird extra in Wiederaufarbeitungsanlagen hergestellt. Eine weitere Möglichkeit Plutonium zu nutzen, ist die umstrittene Beimischung in Brennelementen, für sogenannte MOX-Brennelemente (MOX steht für Mischoxid), die in Fukushima eingesetzt wurden. Schließlich wird dieses Element für Radionuklidbatterien verwendet, die in erdfernen Satelliten zur Stromversorgung benötigt werden. Die Gefahr des Stoffes geht nicht von seiner Giftigkeit, sondern von der Radioaktivität aus.

Biowaffen?

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Für die Vereinten Nationen sind biologische Waffen „alle gezielt eingesetzten […] infektiösen Stoffe, die Krankheiten oder Tod bei Mensch, Tier oder Pflanzen verursachen“. Sie gehören zusammen mit nuklearen, chemischen und radiologischen Kampfmitteln zur Gruppe der sogenannten Massenvernichtungswaffen. Entwicklung, Herstellung und Lagerung sind seit der internationalen Biowaffenkonvention von 1971 verboten, der Einsatz wurde schon im Genfer Protokoll von 1925 untersagt.

Derzeit gibt es ungefähr 200 Viren oder Bakterien, die als Waffe benutzt werden können. Je nachdem wie tödlich und frei verfügbar diese sind, werden sie gemeinhin in drei Kategorien unterteilt. Zu den gefährlichsten Erregern zählen unter anderem Pocken, Pest und Milzbrand. Das Gelbfieber-Virus und Tuberkulose-Bakterien werden hingegen als weniger gefährlich eingestuft, da sie sich relativ leicht behandeln lassen.

Verglichen mit dem erheblichen Aufwand, der beim Bau einer Atombombe anfällt, sind die zur Herstellung biologischer Waffen benötigten Substanzen oft recht einfach zu beschaffen. Biowaffen werden aus diesem Grund manchmal als die „Atombombe des kleinen Mannes“ bezeichnet. Mit geringen Mengen biologischer Kampfstoffe können theoretisch sehr viele Menschen getötet werden. Einige Studien gehen sogar davon aus, dass sie unter „optimalen“ Bedingungen eine größere Zerstörungskraft als Nuklearwaffen entfalten können. Eine Vielzahl praktischer Probleme erschwert jedoch ihren effektiven Einsatz, vor allem über weite Entfernungen hinweg. Dies beginnt mit der Suche nach geeigneten Trägersystemen. Raketengeschosse entwickeln extrem hohe Temperaturen, welche die Viren oder Bakterien vernichten würden. Technisch eher anspruchslose Verbreitungsmethoden gewährleisten hingegen oft nicht die zur vollen Wirkungsentfaltung nötige Streuung der Erreger über große Flächen.

Trotz dieser Probleme bleibt festzuhalten, dass die biologische Kriegsführung so alt wie der Krieg selbst ist (vgl. Infotext „Biologische Waffen und biologischer Krieg – Eine kurze Geschichte“). Schon in frühgeschichtlichen Zeiten war bekannt, dass verweste Leichen dazu benutzt werden konnten, die Brunnen des Gegners zu vergiften. Aber erst nachdem im 19. Jahrhundert Methoden entwickelt wurden, um Bakterienkulturen gezielt zu züchten, begann die militärische Forschung über die Möglichkeit des Einsatzes biologischer Kampfmittel als „Massenvernichtungswaffen“ nachzudenken und systematisch zu untersuchen. Vor allem das Deutsche Reich und Japan unterhielten im Ersten und Zweiten Weltkrieg große Forschungsprogramme, tödliche Erreger wurden nicht selten an Häftlingen getestet.

Während des Kalten Krieges setzten vor allem die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Forschung an Biowaffen fort. Gleichzeitig verstärkten sich aber auch die internationalen Bemühungen, Erprobung und Gebrauch von Biowaffen zu regulieren bzw. zu verbieten. Nachdem die Vereinigten Staaten ihr Forschungsprogramm bereits 1969 formal beendet hatten, nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 16. Dezember 1971 die „Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen sowie über die Vernichtung solcher Waffen“ (kurz Biowaffenkonvention) an.

Es handelt sich dabei um ein Nachfolgeabkommen des „Genfer Protokolls“ über das „Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder ähnlichen Gasen sowie von bakteriologischen Mitteln im Kriege“, das bereits 1925 abgeschlossen wurde, allerdings keine Ächtung der Produktion und Lagerung biologischer Kampfstoffe beinhaltete. Ziel des völkerrechtlichen Vertrages von 1971 ist es, sowohl Einsatz als auch Herstellung offensiver biologischer Waffen international zu beenden. Die Forschung an Methoden zur Abwehr von Angriffen mit biologischen Kampfmitteln bleibt aber weiterhin erlaubt. Da es jedoch häufig sehr schwierig ist, zwischen „defensiver“ und „offensiver“ Biowaffenforschung zu unterscheiden, öffnet die Konvention somit ein Tor zum potenziellen Missbrauch (vgl. Infotext „Die Forschung an Kampfstoffen – Offensive Forschung, defensive Forschung“).

Im Jahr 2012 waren insgesamt 165 Staaten der Biowaffen-Konvention beigetreten. Dennoch betreiben viele Länder noch Programme zur Erforschung dieser Kampfmittel, wenngleich die Herstellung offensiver Waffen für den militärischen Einsatz in den meisten Fällen eher unwahrscheinlich ist. In Deutschland entwickelt zum Beispiel das Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) im Auftrag der Bundesregierung Methoden, um biologische Kampfstoffe nachweisen zu können. Als Bedrohung gilt hier weniger die Möglichkeit des Einsatzes von Biowaffen in einem zwischenstaatlichen Krieg, befürchtet wird vielmehr ihr Gebrauch durch nicht staatliche und gewaltbereite Gruppen, der sogenannte „Bioterrorismus“. Tatsächlich haben einige Gruppen in der jüngeren Vergangenheit bereits versucht, Anschläge mit Biowaffen zu verüben, allerdings immer erfolglos bzw. ohne größere Wirkung (vgl. Infotext „Bioterrorismus – Mythos, Science Fiction oder aktuelle Bedrohung?“). Ob größere staatliche Investitionen in die Abwehr möglicher „Bio-Angriffe“ durch Terroristen fließen sollten – oder ob diese Ressourcen nicht vielleicht besser in anderen Bereichen der medizinischen Forschung angelegt sind – bleibt eine offene sicherheits- und gesundheitspolitische Diskussion.

Quellen und weiterführende Informationen

Forschungsstelle Biologische Waffen und Rüstungskontrolle am Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung der Universität Hamburg (The Research Group for Biological Arms Control)
http://www.biological-arms-control.org/

Kelle, Alexander und Kathryn Nixdorff (2002): Verlieren die Staaten die Kontrolle über ihre Kriegsmittel? Zur Problematik der Biowaffen; in: Friedensgutachten, Münster, Lit Verlag, S. 71-79.

United Nations Office in Geneva: Disarmament: The Biological Weapons Convention. 
www.unog.ch/bwc

UNODA, United Nations Office for Disarmament Affairs
http://www.un.org/disarmament/WMD/Bio/

von Aken, Jan und Iris Hunger (2006): Die Zukunft der biologischen Rüstungskontrolle – Transatlantischer Dissens; in: Friedensgutachten, S. 217-226.

Was versteht man unter Biowaffen?

Für die Vereinten Nationen sind biologische Waffen „alle gezielt eingesetzten […] infektiösen Stoffe, die Krankheiten oder Tod bei Mensch, Tier oder Pflanzen verursachen“. Sie gehören zusammen mit nuklearen, chemischen und radiologischen Kampfmitteln zur Gruppe der sogenannten Massenvernichtungswaffen. 1971 nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen die sogenannte „Biowaffenkonvention“ über das „Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und von Toxinwaffen sowie über die Vernichtung solcher Waffen“ an, die 1975 in Kraft trat.

Derzeit gibt es ungefähr 200 Viren oder Bakterien, die als Waffe benutzt werden können. Zu den gefährlichsten Erregern zählen unter anderem Pocken, Pest und Milzbrand. Das Gelbfieber-Virus und Tuberkulose-Bakterien werden hingegen als weniger gefährlich eingestuft, da sie sich relativ leicht behandeln lassen.

Es gibt insgesamt keine Belege für einen militärischen Einsatz dieser Waffen in der jüngeren Vergangenheit. Vereinzelt gab es Terroranschläge unter Verwendung biologischer Kampfstoffe (z.B. die sog. „Anthrax-Briefe" 2001). Aufgrund der Besonderheiten der Biowaffenforschung sowie ungenügender Transparenz ist es derzeit auch nicht möglich zu sagen, ob überhaupt bzw. wie viele und welche Staaten womöglich noch im Geheimen ein offensiv ausgerichtetes Programm zur Entwicklung von Biokampfstoffen betreiben. Gegenwärtig gehen Experten deshalb davon aus, dass in keinem Land der Welt an der Entwicklung von Biowaffen gearbeitet wird.

Chemische Waffen

Chemische Waffen können als Massenvernichtungsmittel viele Tote und Verwundete fordern. Dabei sind sie relativ billig in der Herstellung. Die ersten Chemiewaffen wurden während des Ersten Weltkriegs entwickelt und eingesetzt. Aber auch im Zweiten Weltkrieg, im Vietnamkrieg und im Ersten Golfkrieg (1980 bis 1988) wurden chemische Kampfstoffe eingesetzt.

Als ihr „Erfinder“ gilt der deutsche Chemiker Fritz Haber, der seit 1911 Leiter des Instituts für Physikalische Chemie in Berlin-Dahlem war. Diesen Posten behielt er bis 1933, als er wegen seines jüdischen Glaubens von den Nazis aus dem Amt gejagt wurde. Für seine Verdienste um die Agrochemie erhielt Haber 1918 den Chemienobelpreis. Zu seinen militärischen Forschungen erklärte er 1920: „Der Vorteil der Gasmunition kommt im Stellungskriege zu besonderer Entfaltung, weil der Gaskampfstoff hinter jeden Erdwall und in jede Höhle dringt, wo der fliegende Eisensplitter keinen Zutritt findet.“

Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gingen mit der Materie wesentlich kritischer um. Sie verwiesen auf die persönliche und gesellschaftliche Verantwortung von Chemikern, Physikern und Biologen, insbesondere in Bezug auf die militärische Verwendung ihrer Erkenntnisse. Der Streit um die Verbindung von Ethik und Wissenschaft dauert noch heute an.

Chemiewaffen bestehen aus einem chemischen Kampfstoff und einem Trägersystem, um diesen ins Ziel zu befördern. Chemische Kampfstoffe haben eine erstickende, lähmende oder giftige Wirkung. So gibt es blutschädigende sowie Haut-, Lungen-, Nervengifte.

Die ersten Chemiewaffen bestanden einfach aus den giftigen Gasen, die aus der chemischen Industrie schon bekannt waren, wie z. B. Chlor oder Phosgen. Später synthetisierte man neue Kampfstoffe, die extra für die militärische Kriegsführung entwickelt wurden. Bei den Trägermitteln kann es sich um Minen, Handgranaten, Granaten, Bomben, Sprühtanks oder Raketensprengköpfe handeln. Im Ersten Weltkrieg wurden die Kampfstoffe noch in Form von Gas ausgebreitet, daher stammt der gebräuchliche Name „Giftgas“. Aber Gas verflüchtigt sich sehr rasch und daher gingen die Militärs später dazu über, den Kampfstoff als Aerosol einzusetzen. Ein Aerosol besteht aus einer Unzahl mikroskopisch kleiner Tröpfen, die sich wie ein Nebel ausbreiten.

Militärische Einsatzmöglichkeiten von C-Waffen

Um sich von der Gefährlichkeit der chemischen Waffen ein Bild zu machen, bietet es sich an, sich einmal ihre militärischen Einsatzmöglichkeiten genauer anzuschauen. Grundsätzlich beruht sie auf ihrer so genannten Toxizität. Damit wird angegeben, wie giftig eine solche Waffe für den Menschen ist. Dafür gibt es allerdings kein genaues Maß, weil Menschen, z.B. wegen ihres individuellen Körpergewichts, unterschiedlich auf Gift reagieren. So braucht man mehr Gift um einen erwachsenen Mann zu töten als ein Kind.

Um dennoch eine Angabe über die spezifische Giftigkeit eines Stoffes machen zu können, hat man eine statistische Größe erfunden: die „mittlere letale Dosis“ (LD50). Sie gibt an, bei welcher Konzentration ein Mensch mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent getötet wird. So können mit Hilfe der LD50 auch die verschiedenen Kampfstoffe miteinander verglichen werden.

Wenn chemische Waffen eingesetzt werden, können sie sehr schnell vom Wind verweht werden. Daher wollen die Militärs für ihre Einsatzplanung auch noch wissen, wie lange ein Mensch einem Gift ausgesetzt sein muss, um getötet zu werden. Dies nennt man die „mittlere letale Konzentration“ (LCt50). Diese Zahl gibt an, wie hoch die Konzentration eines Stoffes in einem Kubikmeter Luft sein muss, um bei einer Einwirkungszeit von einer Minute einen Menschen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent zu töten. Dabei kann das Gift über die Haut (perkutan) oder über den Mund (oral) aufgenommen werden.

Auch wenn ein Soldat weniger Gift aufgenommen hat, wird er krank und fällt somit als Kämpfer aus. Deshalb ist auch diese Angabe für die Militärs wichtig. Sie wird als „mittlere handlungsunfähig machende Konzentration“ (ICt50) bezeichnet.

Kampfstoff

LD50

(mg)7

LCt50

(mg min/m3)8

ICt50

(mg min/m3)8

CN1

-

11.000

80

CS1

-

11.000

20

BZ2

-

200.000

110

Blausäure3

19

2.000

80

Phosgen4

5.0009

3.200

1.600

Senfgas5

5.000

1.500

100-200

Sarin6

10

100

40

Soman6

10

50

25

Tabun6

5

400

100

VX6

5

10

5

Anmerkungen: (1) Tränengas, (2) Psychokampfstoff, (3) Blutkampfstoff, (4) Lungenkampfstoff, (5) Hautkampfstoff, (6) Nervenkampfstoff, (7) Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, (8) Milligramm pro Minute pro Kubikmeter Luft, (9) hier: absolut tödlich wirkende Dosis (LD100).

Auf Basis dieser Angaben bestimmen die Kriegsplaner, wieviel Gas bei einem Angriff eingesetzt wird. Dabei müssen sie aber auch noch die Umweltbedingungen beachten, da das eingesetzte Gas durch Wind verweht werden kann. Diese Sesshaftigkeit bestimmt auch, wann ein Gebiet wieder gefahrlos betreten werden kann. Außerdem zersetzen sich die giftigen Substanzen unter der UV-Strahlung der Sonne mehr oder weniger schnell.

Kampfstoff

+ 10oC
regnerisch
windig

+ 15oC
sonnig
leichte Brise

- 10oC
-
windstill
Schneedecke

CN

-

1 bis 2 Std.

6 Std. bis mehrere Tage

Blausäure

einige Minuten

einige Minuten

1 bis 4 Std.

Phosgen

einige Minuten

einige Minuten

15 Min. bis 4 Std.

Senfgas

12 bis 48 Std.

2 bis 7 Tage

2 bis 8 Wochen

Sarin

15 Min. bis 1 Std.

15 Min. bis 1 Std.

1 bis 2 Tage

Soman

3 bis 36 Std.

2,5 bis 5 Tage

1 bis 6 Wochen

VX

1 bis 12 Std.

3 bis 21 Tage

1 bis 16 Wochen

In der Praxis zeigte sich, dass sich der meiste Kampfstoff auf Bäumen, Dächern und Wiesen niederschlägt. Trotz der hohen Toxizität der Substanzen war ein Angriff daher nur dann „erfolgreich“, wenn etliche Tonnen Kampfstoff gleichzeitig zum Einsatz gebracht werden konnten. Außerdem barg jeder Einsatz auch für Risiken für die eigene Truppe, etwa wenn sich der Wind drehte.

Weil schon die Lagerung von Chemiewaffen große Risiken birgt, entwickelten die USA in den achtziger Jahren Binärkampfstoffe für Artilleriegranaten und Bomben. Diese bestehen aus zwei mindergiftigen Substanzen, die erst bei einem Einsatz vermischt werden, wodurch ein tödlicher Kampfstoff synthetisiert wird. Beispiele sind die 155-mm Granate M687 (Sarin) und die Flugzeugbombe BLU-80/B Bigeye (VX).

Eine sehr umstrittene Waffengattung

Ungewöhnlich ist, dass die chemischen Waffen unter den Militärs selbst von Anfang an umstritten waren. Die Befürworter meinten, mit C-Waffen ließe sich eine hohe Anzahl gegnerischer Soldaten flächenwirksam töten. Dagegen argumentierten die Skeptiker, dass sie taktisch schwierig einzusetzen und wenig effektiv seien und zudem die eigene Truppe gefährden könnten.

Bei den Frontsoldaten aller Armeen waren die chemischen Waffen seit dem Ersten Weltkrieg besonders gefürchtet: Bei vielen Gasverletzten zog sich der Todeskampf mehrere Tage hin, bis sie schließlich erstickten. Außerdem trugen die Überlebenden oft dauerhafte Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang zu leiden hatten: Erblindung, Hautverätzungen, Lungenschäden und Krebs.

Aber nicht nur Chemiewaffen wurden entwickelt, sondern auch technische Möglichkeiten der ABC-Abwehr. Heute sind die Selbstschutzmöglichkeiten der Soldaten soweit entwickelt, dass durch einen Gasangriff kaum noch ein taktischer oder strategischer Vorteil erreicht werden kann.

Auch diese militär-taktischen Grenzen führten dazu, dass die C-Waffen - als erste Massenvernichtungswaffen überhaupt - einem umfassenden Verbot unterworfen wurden. Das Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) trat 1997 in Kraft. Dennoch ist auch heutzutage ein Chemieangriff nicht auszuschließen, und sei es als Terrorakt oder als letzte Verzweifelungstat eines enthemmten Diktators angesichts seiner drohenden Niederlage in einem Bürgerkrieg.

Quellen und weiterführende Informationen

Angerer, Jo (1985): Chemische Waffen in Deutschland – Mißbrauch einer Wissenschaft, Darmstadt.

Brauch, Hans Günter und Alfred Schrempf (1982): Giftgas in der Bundesrepublik – Chemische und biologische Waffen, Frankfurt.

Dosch, Werner und Peter Herrlich (Hrsg.)(1985): Ächtung der Giftwaffen – Naturwissenschaftler warnen vor Chemischen und Biologischen Waffen, Frankfurt.

Harris, Robert und Jeremy Paxman (1983): Eine höhere Form des Tötens – Die geheime Geschichte dem B- und C-Waffen, Düsseldorf.

N.N. (2012): Chemische Waffe, Wikipedia.
http://de.wikipedia.org/wiki/Chemische_Waffe

Was versteht man unter Chemischen Waffen?

Chemische Waffen gehören zusammen mit nuklearen, biologischen und radiologischen Kampfmitteln zur Gruppe der sogenannten Massenvernichtungswaffen. Entwicklung, Herstellung und Einsatz sind seit der internationalen Biowaffenkonvention von 1971 verboten. Chemiewaffen fordern als Massenvernichtungsmittel viele Tote und Verwundete, sind aber relativ billig in der Herstellung. Daher galten sie lange Zeit als „Atombombe des kleinen Mannes“. Die ersten Chemiewaffen wurden während des Ersten Weltkriegs entwickelt.

Chemiewaffen bestehen aus einem chemischen Kampfstoff und einen Trägersystem, um diesen Kampfstoff ins Ziel zu befördern. Die chemischen Kampfstoffe haben eine erstickende, lähmende oder giftige Wirkung. So gibt es Haut-, Lungen-, Nerven- und Blutschädigende Gifte. Die ersten Chemiewaffen bestanden einfach aus den giftigen Gasen, die aus der chemischen Industrie schon bekannt waren, wie z. B. Chlor oder Phosgen. Später synthetisierte man neue Kampfstoffe, die extra für die militärische Kriegsführung entwickelt wurden. Bei den Trägermitteln kann es sich um Minen, Handgranaten, Granaten, Bomben, Sprühtanks oder Raketensprengköpfe handeln.

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