A U.S. Army tank drives through smoke from another tank, which was disabled during a four-hour running gun battle with insurgents in Mosul, Iraq Saturday Feb. 12, 2005
Themenmodul

Rohstoffe und Konflikte

Rohstoffvorkommen und -verteilung


BICC 01/2012

Unter Rohstoffen oder auch natürlichen Ressourcen versteht man im Allgemeinen alle Stoffe aus der Natur, die der Mensch für sich nutzbar machen kann und die folglich auf irgendeine Art eine Bedeutung für ihn haben. Die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung sowie der Wert von Rohstoffen kann sich aufgrund eines Wechsel in der Technologie, in der Lebensweise und in der Präferenz von Menschen ändern. Durch die globale Ungleichverteilung der Rohstoffe ergeben sich ökonomische und geopolitische Machtverhältnisse, die indirekt oder direkt das Auftreten von Konflikten beeinflussen können.

Auf stofflicher Ebene kann man energetische Rohstoffe, also solche, die für die Energieherstellung verwendbar sind (z.B. Erdgas oder Erdöl) und nicht energetische (z.B. Metalle oder Böden) unterscheiden. Eine andere Frage ist, ob Rohstoffe erneuerbar – wie z.B. landwirtschaftliche Produkte oder Wälder – oder erschöpfbar – wie z.B. viele Energiequellen sowie Mineralien und Metalle –  sind.

In Hinblick auf den Verarbeitungsgrad werden zu den primären natürlichen Rohstoffen nur solche gezählt, die außer dem ersten Sammlungsvorgang keine weitere Bearbeitung erfahren haben. Manche natürlichen Ressourcen können durch Recycling wiederverwertet werden, derart gewonnene Rohstoffe werden Sekundärrohstoffe genannt.

Von den Ressourcen sind die Reserven abzugrenzen. Reserven bezeichnen die Mengen eines Rohstoffs, die mit großer Genauigkeit erfasst wurden und mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten wirtschaftlich gewonnen werden können und abbauwürdig sind. Der Umfang der natürlichen Reserven ist folglich abhängig vom Wissensstand über die Lagerstätten, vom Rohstoffpreis (der die Gewinnhöhe bestimmt) und vom Stand der Technik.

Die Menschen der sogenannten industrialisierten, entwickelten Welt, vornehmlich also in Nordamerika, Europa und Japan – ungefähr zwanzig Prozent der Weltbevölkerung  – verbrauchen rund achtzig Prozent der weltweiten Ressourcen und siebzig Prozent der Energie. Immer mehr Länder haben steigende Verbrauchsraten, allen voran China, aber auch andere Entwicklungs- und Schwellenländer sind in den vergangenen Jahren vermehrt auf dem Rohstoffmarkt aktiv. Hinzu kommt, dass der technologische Fortschritt vor allem in der Informations- und Kommunikationsbranche und die dadurch ausgelöste Nachfrage nach seltenen Rohstoffen (Tantalum, Seltene Erden) zu einer Verknappung derselben geführt hat.

Die Bundesrepublik Deutschland ist einer der großen Rohstoffverbraucher auf der Welt. Fast zwei Drittel des Verbrauchs fallen davon auf mineralische Rohstoffe, wie Metalle, Industrieminerale, Steine und Erden. Bei den primären Metallrohstoffen, wie Kupfer- oder Eisenerz, ist Deutschland zu 100 Prozent importabhängig (BGR). Die Bundesrepublik ist deswegen auf die Kooperation mit anderen Ländern angewiesen, der Mongoleibesuch von Bundeskanzlerin Merkel im Oktober 2011 und das vereinbarte Rohstoffabkommen, das deutschen Unternehmen unter anderem den Zugang zu den sogenannten Seltenen Erden ermöglichen soll, sind hierfür Beispiele. Die Bundesregierung hat 2010 eine Rohstoffstrategie beschlossen, bei der der Hunger der deutschen Wirtschaft nach Rohstoffen eindeutig im Vordergrund steht. Sie musste sich deshalb den Vorwurf der Zivilgesellschaft gefallen lassen, dass dies häufig auf Kosten der Abbauländer im Süden geschieht, wo Armut und Konflikte grassieren. Statt lediglich die Versorgung der deutschen Industrie mit Rohstoffen zu gewährleisten, solle ihr Abbau die Entwicklungschancen der Menschen in den rohstoffreichen Herkunftsländern zu verbessern helfen.

Die globale Verteilung von Rohstoffen ist zunächst einmal von erdgeschichtlich bedingten geologischen Gegebenheiten abhängig. In Abschnitten der Erdkruste, die beispielsweise bei einer Gebirgsbildung unter großen Druck und Temperaturen gerieten, konnte das aufsteigende Erdmantelgestein in vulkanischen Eruptivschloten zu Tage treten  - Diamanten entstanden. Kohlevorkommen sind an das Auftreten von großen Mengen organischer Masse gebunden, die es beispielsweise in urzeitlichen Sumpfwäldern gab. Im Lauf von Jahrmillionen konnte sich aus dem organischen Material durch Inkohlung Braunkohle und in noch längeren Zeiträumen Steinkohle bilden. Ähnliches gilt für andere mineralische Rohstoffe, deren Vorkommen an bestimmte erdgeschichtliche Prozesse und Gesteinstypen gebunden ist. Diese sind endlich, der Mensch kann die Entstehung nicht reproduzieren.

Auch die industrielle Vergangenheit von Ländern spielt bei der aktuellen Verfügbarkeit und Verteilung der Rohstoffe sowie der Rohstoffreserven eine wichtige Rolle. Während in vielen Ländern Europas und ihren ehemaligen Kolonien sowie in Nordamerika diverse Rohstoffvorkommen aufgrund des technologischen und wissenschaftlichen Fortschritts schon früh entdeckt und genutzt wurden, ist die Exploration in anderen Ländern bislang nicht derart weit gediehen. Wissenschaftliche Kenntnisse von geologischen Schichten und Abfolgen lassen auf das Vorkommen bestimmter natürlicher Ressourcen schließen – auch hier liegt ein Vorteil entwickelter Länder. Neue Technologien erlauben beispielsweise auch, Rohstoffvorkommen im Meeresboden abzuschätzen.

Viele der natürlichen Ressourcen sind also erschöpfbar. In der öffentlichen Debatte sind Begriffe wie Peak-Oil (Erdölfördermaximum) bis hin zu Peak-Soil (Grenzen der globalen Vernutzung von Boden) ein häufiges Thema. Als Reaktion auf die schwindenden, also knapper werdenden erschöpfbaren Ressourcen oder aber auch die schwindende Produktivität landwirtschaftlich nutzbarer Böden steigen die Rohstoffpreise.

Vor diesem Hintergrund werden sowohl alte, bereits aufgegebene Lagerstätten als auch neue Lagerstätten, wie beispielsweise die Arktis, für die (Wieder)erschließung attraktiv. Der Abbau neuer endlicher Rohstoffvorkommen kann jedoch aus verschiedener Hinsicht problematisch sein. So bezeichnet z.B. Greenpeace den Ölsandabbau in Kanada als eine der „dreckigsten Arten, Öl zu gewinnen und gleichzeitig eine der am schnellsten wachsenden Quellen von Treibhausgasausstoß“.

Alternative zur Verringerung des Verbrauchs energetischer Rohstoffe könnte die Nutzung der sogenannten erneuerbaren Energien sein. Einen Haken haben diese jedoch (bislang) noch: für viele Bauteile der Hoch- und Umwelttechnologie, wie beispielsweise für Katalysatoren, Windkraftwerke, Energiesparlampen und Elektromotoren, werden wiederum andere knappe Ressourcen, etwa Metalle der Seltenen Erden, benötigt. Mehr als 90 Prozent der auf dem Weltmarkt gehandelten Metalle der Seltenen Erden stammen aus China. Mitte 2011 hat Bejing aus wirtschaftsstrategischen Gründen eine Exportbeschränkung auf Seltene Erden beschlossen. Seitdem wird in verschiedenen Ländern die Suche nach Reserven von Seltenen Erden vorangetrieben.

Die ungleiche Verteilung von Vorkommen und Reserven hat seit jeher Interessenkonflikte hervorgerufen. Je fairer Handel und Abkommen hierüber gestaltet sind, desto friedlicher und letztlich auch nachhaltiger lassen sich die damit verbundenen Probleme lösen. Nichtsdestotrotz ist das gegenwärtige Konfliktpotential groß. Gestritten wird – meist diplomatisch aber manchmal auch militärisch – um den Zugang zum Rohstoff, um die Kontrolle und seine Verteilung an die beteiligten Akteure. Es kann – etwa durch Raubüberfälle oder illegale Entnahme – zu kriminellen Aktivitäten kommen. Oft geht die Rohstoffförderung mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen Hand in Hand. Schließlich dient ihre Gewinnung in manchen Ländern (z.B. Demokratische Republik Kongo) direkt der Finanzierung von bewaffneten Konflikten – Stichwort Blutdiamanten.

Quellen und weiterführende Informationen

BGR (2005): Trends der Angebots- und Nachfragesituation bei mineralischen Rohstoffen.
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Downloads/angebots-nachfragesituation-mineral-rohstoffe-kurzfassung2006.pdf?__blob=publicationFile&v=2

BUND (2009): Ressourcenbericht.
https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/ohne-mass-und-ziel-ueber-unseren-umgang-mit-den-natuerlichen-ressourcen-der-erde/

Humphreys, Macartan (2005): Natural Resources, Conflict, and Conflict Resolution: Uncovering the Mechanisms. In: Journal of Conflict Resolution August 2005 vol. 49 no. 4 508-537.
http://jcr.sagepub.com/content/49/4/508.full.pdf+html

SWP Themendossier: Ressourcenkonkurrenz.
https://www.swp-berlin.org/projekte/abgeschlossene-projekte/ressourcen-konkurrenz-abgeschl/einfuehrung/

World Resources Forum
http://www.worldresourcesforum.org/

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie GmbH
http://www.wupperinst.org/en

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