A U.S. Army tank drives through smoke from another tank, which was disabled during a four-hour running gun battle with insurgents in Mosul, Iraq Saturday Feb. 12, 2005
Themenmodul

Krieg und Gewaltkonflikte

Glossar


Armut
Menschen sind arm, wenn sie am Rande des Existenzminimums leben. Dies ist ein Wert, der von der Weltbank auf ein Einkommen von ca. einen Dollar pro Tag definiert ist. Mehr als eine Milliarde Menschen leben in Armut. Armut ist relativ und muss im Lichte verschiedener Gesellschaften betrachtet werden. So lassen sich erhebliche Unterschiede zwischen armen Menschen in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern feststellen. Aber auch innerhalb einzelner Länder lässt sich eine Zunahme der Kluft zwischen Arm und Reich verzeichnen.

 

Anokratie
Mischform zwischen Demokratie und Autokratie, in der trotz demokratischer Verfahren und Elementen die Eliten die Macht halten.

 

Autokratie
Als Autokratie wird eine Regierungsform bezeichnet, bei der die Staatsgewalt zentral durch eine Einzelperson oder eine Gruppe (Partei, Zentralkomitee, Junta) ausgeübt wird. Eine Beteiligung des Volkes ist gar nicht oder nur zum Teil vorgesehen, wie beispielsweise bei der absoluten Monarchie oder in einer Diktatur. Autokratien sind in autoritäre Regime und totalitäre Regime unterteilt. Die Ausübung der Gewalt kann willkürlich erfolgen und sich ausschließlich an den persönlichen Interessen des Herrschers ausrichten.

Zwischen der Demokratie und der Autokratie kann es zu diversen Mischformen kommen, wie beispielsweise der Anokratie, in der trotz demokratischer Verfahren und Elementen die Eliten die Macht halten.

 

Außergerichtliche Tötung
Außergerichtliche Tötungen sind Morde und Hinrichtungen, die durch offizielle staatliche Organe durchgeführt oder angeordnet wurden, ohne dass zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren durchlaufen wurde. Sind diese Tötungen durch den Staat in Auftrag gegeben worden, sind die Ausführenden meist das Militär, die Polizei, private Gruppen, Sicherheitskräfte oder Agenten. Opfer sind meist Gefangene, Kriminelle oder Systemkritiker, welche aus religiösen, politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen ermordet werden.

 

Demokratie
Der Begriff Demokratie steht zum einen für das Ideal einer durch Zustimmung der Mehrheit und die Beteiligung der Bürger legitimierte Herrschafts- bzw. Regierungsform, in der die Macht vom Volk ausgeht („Volksherrschaft“). Zum anderen bezeichnet Demokratie einige real existierende politische Systeme, in denen das demokratische Prinzip in der Verfassung verankert ist. Sie zeichnen sich sich unter anderem durch freie Wahlen, Mehrheitsprinzipien, politische Repräsentation und vor allem die Verfassungsmäßigkeit und den Schutz der Grund- oder Bürgerrechte aus. Es gibt verschiedene Ausprägungen von Demokratie. Am häufigsten wird zwischen der direkten und der repräsentativen Demokratie unterschieden. Im ursprünglichen Sinn bedeutet Demokratie die Herrschaft des Volkes (gr. Δημοκρατία, von δῆμος [demos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“, diese wird jedoch heute durch gewählte Vertreter, die Regierung, ausgeübt.

Zwischen der Demokratie und der Autokratie, kann es zu diversen Mischformen kommen, wie beispielsweise der Anokratie, in der trotz demokratischer Verfahren und Elementen die Eliten die Macht halten.

 

Entwicklung, nachholend
Entwicklung bedeutet zunächst Wandel, ein Vorgang der Veränderung. Es wird jedoch ein normativer Aspekt hinzugefügt, wenn dieser Begriff für Veränderungen eines Staates, besonders von sogenannten Entwicklungsländern, verwendet wird. Politische und ökonomische Entwicklung eines Entwicklungs- oder Schwellenlandes soll sich an dem Vorbild von „entwickelten“ Industrieländern orientieren. Entwicklung wird in diesem Zusammenhang als nachholend bzw. aufholend verstanden und schließt ebenfalls soziale, infrastrukturelle und demographische Aspekte ein.

 

Ethnische Minderheit
Als ethnische Minderheit wird eine Volksgruppe bezeichnet, die innerhalb eines Landes eine Minderheit gegenüber anderen dort beheimateten Volksgruppen darstellt. Eine Ethnie ist eine Population oder Gruppe von Menschen, die durch eine gemeinsame Geschichte, einheitliche und eigenständige Kultur und Sprache und ein spezifisches Territorium miteinander verbunden sind. Ethnische Minderheiten können auch über Staatsgrenzen hinaus verstreut sein, wenn ihr angestammtes Gebiet durch verschiedene Staaten geteilt wurde. Lässt sich eine Streuung über die ganze Welt verzeichnen, wird diese als Diaspora bezeichnet.

 

Flüchtling
Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Flüchtlinge Menschen, die aus verschiedenen existenzbedrohenden Gründen auf der Suche nach Schutz ihre Heimat verlassen. Fliehen sie innerhalb der Landesgrenzen an einen anderen Ort, werden sie als Vertriebene oder Binnenflüchtlinge definiert. Ursache für eine Flucht können Krieg, soziale, wirtschaftliche, politische oder ökologische Bedingungen sowie die Furcht vor Verfolgung aufgrund von Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder der Zugehörigkeit zu bestimmten Ethnien oder sozialen Gruppe sein. Mit der Flucht sind oft Armut, Verlust der sozialen Stellung, psychische Belastungen und eine unsichere Zukunft verbunden. Der rechtliche Status von Flüchtlingen ist in der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) völkerrechtlich verbindlich geregelt, allerdings gelten Menschen, die aufgrund von ökologischen oder wirtschaftlichen Bedingungen fliehen, nicht als Flüchtling.

 

Folter
Folter oder Tortur sind die Androhung oder das gezielte Zufügen von psychischen oder physischen Schmerzen, um von dem Gefolterten eine Aussage, ein Geständnis, eine bestimmte Information zu erhalten oder seinen Willen zu brechen. Es handelt sich unter anderem um angsteinflößende Maßnahmen, Gewaltanwendungen, Qualen oder Erniedrigungen, dabei wird auch der Tod des Opfers in Kauf genommen. Derjenige, der die Folter ausführt ist oft Teil einer politischen, militärischen und/oder staatlichen Gruppierung.

 

Gewaltkonflikt nach PRIO/UCDP
Das Uppsala Conflict Data Program (UCDP) der Uppsala University und das International Peace Research Institute in Oslo (PRIO) definieren bewaffnete Konflikte als eine Streitigkeit zwischen zwei oder mehr bewaffneten Parteien, von der mindestens eine ein Staat/Regierung ist und bei der über 25 Menschen innerhalb eines Jahres durch Gefechte zu Tode kommen. Als Gründe für Auseinandersetzungen werden Unstimmigkeiten über die Regierung oder ein Gebiet unterschieden. Bei Regierungsunstimmigkeiten handelt es sich in der Regel um innerstaatliche Konflikte, die einerseits durch das Begehren zur Änderung des politischen Systems oder andererseits durch den Wunsch nach einer neuen Regierung bzw. dessen Zusammensetzung ausgelöst werden können. Bei Gebietskonflikten unterscheidet man zwischen Unstimmigkeiten zweier Staaten und innerstaatlichen Abspaltungs- oder Autonomiebestreben.

 

Gewaltkriminalität/Gewaltverbrechen
Definitionen zu Gewaltkriminalität sind umstritten, da der Begriff „Gewalt“ nicht festgeschrieben ist, sondern sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und neu entstanden Strukturen verändert hat. Gewalt kann als eine Handlung betrachtet werden, die zu einer schädigenden Beeinflussung oder Veränderung einer Person führen kann. Gewaltverbrechen sind daher Straftaten, die massive Gewalt implizieren. Hierzu zählen unter anderem Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Vergewaltigung, (erpresserischer) Raub, Nötigung und Mord. Gewaltverbrechen fallen unter die Kategorie Gewaltkriminalität. Sie wird vorwiegend von Männern verübt, die durch soziale Einflüsse beeinträchtigt wurden, wie z.B. persönliche Gewalterfahrungen (auch durch Medien), sowie eine starke Unzufriedenheit mit den persönlichen und gesellschaftlichen Lebensumständen.

 

Gini-Koeffizient
Der Gini-Koeffizient, entwickelt durch den italienischen Statistiker Corrado Gini, ist ein Maß für Ungleichverteilungen zwischen Individuen oder Haushalten innerhalb eines Staates.

Mit ihm können die Abweichungen von einer theoretisch absolut gleichmäßigen Verteilung berechnet werden. Die Weltbank benutzt diesen Koeffizienten, um die Ungleichverteilung von Einkommen zu bemessen. Der Gini-Index liegt zwischen 0 (perfekte Gleichheit) und 100 (absolute Ungleichheit).

 

Kindersoldaten
Als Kindersoldatinnen und -soldaten werden Kinder bis 18 Jahre bezeichnet, die als bewaffnete Kämpfer oder Helfer als Teil einer Gruppe oder Streitkraft an einem Konflikt oder Krieg teilnehmen. Oft werden sie durch die Einschärfung von Ideologien, Androhung und Anwendung von Gewalt oder Drogen gefügig gemacht und gezwungen an kriegerischen Handlungen teilzunehmen oder diese durchzuführen, wie zum Beispiel Minen- oder Sprengstofflegen, Kampfeinsätze, Spionage, Tragen von Munition usw. Kindersoldatinnen und –soldaten müssen unter extremen Bedingungen, häufig mit zu wenig Nahrung oder mangelndem Zugang zu medizinischer Versorgung leben. Sie werden oft körperlich, psychisch und sexuell misshandelt.

 

Krieg
Verallgemeinert versteht man unter Krieg eine mittels systematischer Gewaltanwendung ausgetragene Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr organisierten Gruppen, die über einen längeren Zeitraum andauert. Die klassische Kriegsdefinition geht davon aus, dass mindestens einer der zwei Akteure ein Staat ist. Ein Krieg ist organisiert und wird mit Waffen gewaltsam ausgetragen. Ziel ist es, durch einen Angriffs-, Interventions-, Sanktions-, Verteidigungs- und Befreiungskrieg seine eigene Überlegenheit durchzusetzen und den Gegner zu besiegen. Dabei werden die Gegner getötet oder verletzt und es kommt zu erheblichen Schäden an der Infrastruktur und den (natürlichen) Lebensgrundlagen. Die Ursache liegt meist in wirtschaftlichen oder ideologischen Interessen.

 

Kriegs- und Konflikttypologien
Wann eine Auseinandersetzung als Krieg oder Konflikt definiert wird, ist Auslegungssache und hängt davon ab, welcher definitorische Ansatz zu Grunde gelegt wird. Es wird unterschieden zwischen quantitativen Ansätzen, welche sich größtenteils auf die Anzahl von Todesopfern pro Jahr beziehen und qualitativen Ansätzen, welche Krieg nach Charakteristika, Ursachenmuster bzw. funktionale Logik definieren. So bezeichnet die HIIK (Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung) Krieg als die höchste von fünf Konfliktstufen, welche wie die Krise zu gewaltsamen Konflikten gezählt wird. Gibt es zwischen 25-999 Todesopfer geht PRIO (Peace Research Institute Oslo) von einem Konflikt aus, sind es mehr handelt es sich um einen Krieg (siehe Gewaltkonflikt nach PRIO/UCDP). So auch der COW-Ansatz (Correlates of War) der Universität Michigan, bei welchem ein bewaffneter Konflikt ab 1000 Toten zum Krieg wird. Die AKUF (Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung) hingegen bezeichnet Auseinandersetzungen als Konflikte, wenn nicht alle Merkmale der von ihnen zu Grunde gelegten Kriegsdefinition erfüllt sind.

(Detaillierte Ausführungen im Hintergrunddokument Gewalt, Konflikte und Krieg und den Infotexten zu Gewaltkonflikten)

 

Kriegsvergewaltigung
Vergewaltigung wird als eine Handlung definiert, die das Eindringen in den Mund, Vagina oder Anus durch ein Objekt oder einen Körperteil beinhaltet und (die) erzwungen oder uneinvernehmlich geschieht. Im Vergleich zu Vergewaltigungen in Friedenszeiten werden Vergewaltigungen in Kriegen maßgeblich durch den kriegerischen Hintergrund und seine Dynamiken beeinflusst: entscheidend ist, wer wen vergewaltigt, aus welchem Grund, auf welche Art, wo und wann. So unterscheiden sich Kriegsvergewaltigungen unter anderem durch die Merkmale der Vergewaltiger und der Opfer, die Motive für die Tat und die Vergewaltigung an sich von anderen Missbrauchsfällen.

1 Diese Definition von Vergewaltigung beruht größtenteils auf der Definition des Rom Statuts, das 1998 von dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in „Elements of Crimes, Article 7 Crimes Against Humanity, 7 (1) (g)-1, Crime against humanity of rape“ definiert wurde.

 

Politischer Gefangener
Ein Politischer Gefangener, oder auch politischer Häftling, ist eine Person, die aus politischen oder weltanschaulichen Gründen von staatlicher Seite verhaftet wird. Oft verletzt die Festnahme und Inhaftierung fundamentale Menschrechte wie insbesondere Gedankenfreiheit, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Versammlungsfreiheit, und erfolgt ohne dass eine Straftat begangen wurde.

Aus westlich-demokratischer Sicht werden meistens solche Häftlinge als politische Gefangene begriffen, die wegen ihrer Opposition gegen ein diktatorisches Regime inhaftiert sind (Dissidenten). Die Unterscheidung zwischen politischen und legitimen Gefangenen ist auf rechtstheoretisch Basis nicht eindeutig, da fast alle Staaten die Inhaftierungen, die von außen als politisch kritisiert werden, durch entsprechende Straftatbestände in ihren nationalen (Un-)Rechtssystemen abgedeckt haben. Ob ein Gefangener ein politischer ist, kann daher meist nur dadurch beurteilt werden, dass die Legitimität des der Inhaftierung zugrundeliegenden nationalen Gesetzes anhand eigener oder international geltender Normvorstellungen entsprechend anders bewertet wird.

 

Politisches System/politischer Prozess
Als politisches System wird im umgangssprachlichen Sinne oft ein Staat, eine Verfassung, ein Regierungssystem oder eine internationale Organisation bezeichnet. Es beschreibt ein Gefüge, welches Institutionen, Abläufe, Inhalte und Prozesse, die zusammen eine bestimmte Struktur ergeben, erfasst. Der politische Prozess (politics) ist die politische Meinungsbildung und Interessensvermittlung durch Parteien, Gewerkschaft, Lobbygruppen, Interessensverbänden und Einzelpersonen. Diese Prozesse spielen sich innerhalb des politischen Systems ab.

 

Regionen

 

 

Repression/Unterdrückung
Im politischen Sinne wird Repression bzw. Unterdrückung als Niederhaltung von Einzelpersonen über Gruppen bis hin zu sozialen Schichten verstanden. Begründet wird repressives Verhalten durch die scheinbare Minderwertigkeit auf Grund von Andersartigkeit der Personen im Gegensatz zu einer oder mehreren dominanten Gruppen. Diese können auch Teil des Staates sein, bzw. kann auch der Staat selbst Repressalien ausüben. Unterdrückung kann sich in verschiedenen Formen niederschlagen, wie z.B. durch angedrohte und ausgeübte Gewalt oder Verfolgung.

 

Territorium/Grenze
Ein Staatsgebiet, auch als Territorium bezeichnet, ist räumlich von anderen Staaten abgegrenzt. Hierbei handelt es sich häufig um natürliche, „offensichtliche“ Grenzen, wie z.B. ein Gebirge, Flüsse oder Gewässer, Wüsten oder einem (Ur-)Wald. Diese politischen Grenzen entsprechen zumeist auch Sprach- und Kulturgrenzen. Ist dies nicht der Fall, zum Beispiel bei künstlichen Grenzziehungen, wie beispielsweise durch die Kolonialmächte in Afrika, kann es zu erheblichen Grenzstreitigkeiten kommen. Die entsprechenden Gebietsansprüche können u.a. von durch die Grenze getrennten Volksgruppen oder durch historisch begründete Ansprüche auf eine für eine Gruppe wichtiges Land oder darauf befindenden Kulturgüter gestellt werden.

 

Verschleppung
Das Verschleppen von Menschen wird vom Staat oder staatsähnlichen Institutionen meist aus politisch motivierten Gründen ausgeführt, um politische Gegner oder missfallende Personen unschädlich zu machen. Die Opfer werden an geheime Orte gebracht, oft kommt es zu Folter und der Ermordung der Person. Den Angehörigen wird nicht nur der Aufenthaltsort, der Zustand der verschwundenen Person oder wer und aus welchem Grund diese festgenommenen oder entführt hat, vorenthalten. Es wird obendrein verleugnet, dass überhaupt jemand verschwunden ist.

 

Datentabellen

Für einige ausgewählte Kartenlayer stellt das Informationsportal Krieg und Frieden die vollständigen zugrunde liegenden Datensätze in tabellarischer Form bereit. Weiter...


Länderporträts

In den Länderportäts werden die Daten und Informationen länderweise zusammengeführt und tabellarisch aufbereitet, die in den Modulen für die Darstellung in Karten und Abbildungen genutzt wurden. Weiter...


Navigation und Bedienung

Die Informationen und Daten eines jeden Moduls werden primär in Form von aktivierbaren Kartenlayern bereitgestellt und durch Texte und Grafiken ergänzt. Die Kartenlayer sind in dem Menübaum auf der rechten Seite nach Themen und Unterthemen sortiert aufgelistet. Weiter...

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