A U.S. Army tank drives through smoke from another tank, which was disabled during a four-hour running gun battle with insurgents in Mosul, Iraq Saturday Feb. 12, 2005
Themenmodul

Rohstoffe und Konflikte

Was versteht man unter Rohstoffkonflikten und wo gibt es welche? Wo kommen Konfliktrohstoffe vor? Was versteht man unter Blutdiamanten? Was ist der Kimberley-Prozess und welche anderen Rohstoffkontrollregime gibt es?

Das Modul „Rohstoffe und Konflikte“ bietet in den drei Themenfeldern Rohstoffvorkommen und -verteilung, Rohstoffkonflikte und Rohstoffkontrollregime Antworten auf diese Fragen.

Das Thema Rohstoffvorkommen und -verteilung ist in drei Kapitel untergliedert, die die globale Ungleichverteilung von verschiedenen Rohstoffen wie Öl und Gas, aber auch Kakaobaum und Cannabis, darstellen. Durch die Verteilung der Rohstoffe ergeben sich ökonomische und geopolitische Machtverhältnisse, die seit jeher Interessenkonflikte hervorgerufen haben. Konfliktrelevant sind der Zugang zum Rohstoff, die Kontrolle sowie seine Verteilung an die beteiligten Akteure. Das Thema ‚Rohstoffkonflikte‘ beleuchtet, wo Rohstoffe Konfliktgegenstand sind und welchen Stellenwert bestimmte Rohstoffe für ein Land haben.

Oft geht die Rohstoffförderung mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen Hand in Hand. Aus diesem Grund gibt es Rohstoffkontrollregime, deren Mitgliedschaften im gleichnamigen Themenfeld abgebildet werden.

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Rohstoffe – Vorkommen und Verteilung

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Unter Rohstoffen oder auch natürlichen Ressourcen versteht man im Allgemeinen alle Stoffe aus der Natur, die der Mensch für sich nutzbar machen kann und die folglich auf irgendeine Art eine Bedeutung für ihn haben. Die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung sowie der Wert von Rohstoffen kann sich aufgrund eines Wechsel in der Technologie, in der Lebensweise und in der Präferenz von Menschen ändern. Durch die globale Ungleichverteilung der Rohstoffe ergeben sich ökonomische und geopolitische Machtverhältnisse, die indirekt oder direkt das Auftreten von Konflikten beeinflussen können.

Auf stofflicher Ebene kann man energetische Rohstoffe, also solche, die für die Energieherstellung verwendbar sind (z.B. Erdgas oder Erdöl) und nicht energetische (z.B. Metalle oder Böden) unterscheiden. Eine andere Frage ist, ob Rohstoffe erneuerbar – wie z.B. landwirtschaftliche Produkte oder Wälder – oder erschöpfbar – wie z.B. viele Energiequellen sowie Mineralien und Metalle –  sind.

In Hinblick auf den Verarbeitungsgrad werden zu den primären natürlichen Rohstoffen nur solche gezählt, die außer dem ersten Sammlungsvorgang keine weitere Bearbeitung erfahren haben. Manche natürlichen Ressourcen können durch Recycling wiederverwertet werden, derart gewonnene Rohstoffe werden Sekundärrohstoffe genannt.

Von den Ressourcen sind die Reserven abzugrenzen. Reserven bezeichnen die Mengen eines Rohstoffs, die mit großer Genauigkeit erfasst wurden und mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten wirtschaftlich gewonnen werden können und abbauwürdig sind. Der Umfang der natürlichen Reserven ist folglich abhängig vom Wissensstand über die Lagerstätten, vom Rohstoffpreis (der die Gewinnhöhe bestimmt) und vom Stand der Technik.

Die Menschen der sogenannten industrialisierten, entwickelten Welt, vornehmlich also in Nordamerika, Europa und Japan – ungefähr zwanzig Prozent der Weltbevölkerung  – verbrauchen rund achtzig Prozent der weltweiten Ressourcen und siebzig Prozent der Energie. Immer mehr Länder haben steigende Verbrauchsraten, allen voran China, aber auch andere Entwicklungs- und Schwellenländer sind in den vergangenen Jahren vermehrt auf dem Rohstoffmarkt aktiv. Hinzu kommt, dass der technologische Fortschritt vor allem in der Informations- und Kommunikationsbranche und die dadurch ausgelöste Nachfrage nach seltenen Rohstoffen (Tantalum, Seltene Erden) zu einer Verknappung derselben geführt hat.

Die Bundesrepublik Deutschland ist einer der großen Rohstoffverbraucher auf der Welt. Fast zwei Drittel des Verbrauchs fallen davon auf mineralische Rohstoffe, wie Metalle, Industrieminerale, Steine und Erden. Bei den primären Metallrohstoffen, wie Kupfer- oder Eisenerz, ist Deutschland zu 100 Prozent importabhängig (BGR). Die Bundesrepublik ist deswegen auf die Kooperation mit anderen Ländern angewiesen, der Mongoleibesuch von Bundeskanzlerin Merkel im Oktober 2011 und das vereinbarte Rohstoffabkommen, das deutschen Unternehmen unter anderem den Zugang zu den sogenannten Seltenen Erden ermöglichen soll, sind hierfür Beispiele. Die Bundesregierung hat 2010 eine Rohstoffstrategie beschlossen, bei der der Hunger der deutschen Wirtschaft nach Rohstoffen eindeutig im Vordergrund steht. Sie musste sich deshalb den Vorwurf der Zivilgesellschaft gefallen lassen, dass dies häufig auf Kosten der Abbauländer im Süden geschieht, wo Armut und Konflikte grassieren. Statt lediglich die Versorgung der deutschen Industrie mit Rohstoffen zu gewährleisten, solle ihr Abbau die Entwicklungschancen der Menschen in den rohstoffreichen Herkunftsländern zu verbessern helfen.

Die globale Verteilung von Rohstoffen ist zunächst einmal von erdgeschichtlich bedingten geologischen Gegebenheiten abhängig. In Abschnitten der Erdkruste, die beispielsweise bei einer Gebirgsbildung unter großen Druck und Temperaturen gerieten, konnte das aufsteigende Erdmantelgestein in vulkanischen Eruptivschloten zu Tage treten  - Diamanten entstanden. Kohlevorkommen sind an das Auftreten von großen Mengen organischer Masse gebunden, die es beispielsweise in urzeitlichen Sumpfwäldern gab. Im Lauf von Jahrmillionen konnte sich aus dem organischen Material durch Inkohlung Braunkohle und in noch längeren Zeiträumen Steinkohle bilden. Ähnliches gilt für andere mineralische Rohstoffe, deren Vorkommen an bestimmte erdgeschichtliche Prozesse und Gesteinstypen gebunden ist. Diese sind endlich, der Mensch kann die Entstehung nicht reproduzieren.

Auch die industrielle Vergangenheit von Ländern spielt bei der aktuellen Verfügbarkeit und Verteilung der Rohstoffe sowie der Rohstoffreserven eine wichtige Rolle. Während in vielen Ländern Europas und ihren ehemaligen Kolonien sowie in Nordamerika diverse Rohstoffvorkommen aufgrund des technologischen und wissenschaftlichen Fortschritts schon früh entdeckt und genutzt wurden, ist die Exploration in anderen Ländern bislang nicht derart weit gediehen. Wissenschaftliche Kenntnisse von geologischen Schichten und Abfolgen lassen auf das Vorkommen bestimmter natürlicher Ressourcen schließen – auch hier liegt ein Vorteil entwickelter Länder. Neue Technologien erlauben beispielsweise auch, Rohstoffvorkommen im Meeresboden abzuschätzen.

Viele der natürlichen Ressourcen sind also erschöpfbar. In der öffentlichen Debatte sind Begriffe wie Peak-Oil (Erdölfördermaximum) bis hin zu Peak-Soil (Grenzen der globalen Vernutzung von Boden) ein häufiges Thema. Als Reaktion auf die schwindenden, also knapper werdenden erschöpfbaren Ressourcen oder aber auch die schwindende Produktivität landwirtschaftlich nutzbarer Böden steigen die Rohstoffpreise.

Vor diesem Hintergrund werden sowohl alte, bereits aufgegebene Lagerstätten als auch neue Lagerstätten, wie beispielsweise die Arktis, für die (Wieder)erschließung attraktiv. Der Abbau neuer endlicher Rohstoffvorkommen kann jedoch aus verschiedener Hinsicht problematisch sein. So bezeichnet z.B. Greenpeace den Ölsandabbau in Kanada als eine der „dreckigsten Arten, Öl zu gewinnen und gleichzeitig eine der am schnellsten wachsenden Quellen von Treibhausgasausstoß“.

Alternative zur Verringerung des Verbrauchs energetischer Rohstoffe könnte die Nutzung der sogenannten erneuerbaren Energien sein. Einen Haken haben diese jedoch (bislang) noch: für viele Bauteile der Hoch- und Umwelttechnologie, wie beispielsweise für Katalysatoren, Windkraftwerke, Energiesparlampen und Elektromotoren, werden wiederum andere knappe Ressourcen, etwa Metalle der Seltenen Erden, benötigt. Mehr als 90 Prozent der auf dem Weltmarkt gehandelten Metalle der Seltenen Erden stammen aus China. Mitte 2011 hat Bejing aus wirtschaftsstrategischen Gründen eine Exportbeschränkung auf Seltene Erden beschlossen. Seitdem wird in verschiedenen Ländern die Suche nach Reserven von Seltenen Erden vorangetrieben.

Die ungleiche Verteilung von Vorkommen und Reserven hat seit jeher Interessenkonflikte hervorgerufen. Je fairer Handel und Abkommen hierüber gestaltet sind, desto friedlicher und letztlich auch nachhaltiger lassen sich die damit verbundenen Probleme lösen. Nichtsdestotrotz ist das gegenwärtige Konfliktpotential groß. Gestritten wird – meist diplomatisch aber manchmal auch militärisch – um den Zugang zum Rohstoff, um die Kontrolle und seine Verteilung an die beteiligten Akteure. Es kann – etwa durch Raubüberfälle oder illegale Entnahme – zu kriminellen Aktivitäten kommen. Oft geht die Rohstoffförderung mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen Hand in Hand. Schließlich dient ihre Gewinnung in manchen Ländern (z.B. Demokratische Republik Kongo) direkt der Finanzierung von bewaffneten Konflikten – Stichwort Blutdiamanten.

Quellen und weiterführende Informationen

BGR (2005): Trends der Angebots- und Nachfragesituation bei
mineralischen Rohstoffen. 
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Downloads/angebots-nachfragesituation-mineral-rohstoffe-kurzfassung2006.pdf?__blob=publicationFile&v=2

BUND (2009): Ressourcenbericht.
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/nachhaltigkeit/20090915_nachhaltigkeit_ressourcenbericht_ohne_mass_und_ziel_foee.pdf

Macartan Humphreys (2005): Natural Resources, Conflict, and Conflict Resolution: Uncovering the Mechanisms. In: Journal of Conflict Resolution August 2005 vol. 49 no. 4 508-537. 
http://jcr.sagepub.com/content/49/4/508.full.pdf+html

SWP Themendossier: Ressourcenkonkurrenz. 
http://www.swp-berlin.org/de/swp-themendossiers/ressourcenkonkurrenz.html

World Resources Forum
http://www.worldresourcesforum.org/

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie GmbH
http://www.wupperinst.org/en

Rohstoffe – Vorkommen und Verteilung

Unter Rohstoffen oder auch natürlichen Ressourcen versteht man im Allgemeinen alle Stoffe aus der Natur, die der Mensch für sich nutzbar machen kann und die folglich auf irgendeine Art eine Bedeutung für ihn haben.

Auf stofflicher Ebene kann man energetische Rohstoffe, also solche, die für die Energieherstellung verwendbar sind (z.B. Erdgas oder Erdöl) und nicht energetische (z.B. Metalle oder Böden) unterscheiden. Eine andere Frage ist, ob Rohstoffe erneuerbar – wie z.B. landwirtschaftliche Produkte oder Wälder – oder erschöpfbar – wie z.B. viele Energiequellen sowie Mineralien und Metalle –  sind.

Die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung sowie der Wert von Rohstoffen kann sich aufgrund eines Wechsel in der Technologie, in der Lebensweise und in der Präferenz von Menschen ändern. Durch die globale Ungleichverteilung der Rohstoffe ergeben sich ökonomische und geopolitische Machtverhältnisse, die seit jeher Interessenkonflikte hervorgerufen haben. Je fairer der Handel mit und Abkommen zu Rohstoffen gestaltet sind, desto friedlicher und letztlich auch nachhaltiger lassen sich die damit verbundenen Probleme lösen. Nichtsdestotrotz ist das gegenwärtige Konfliktpotential groß. Gestritten wird – meist diplomatisch aber manchmal auch militärisch – um den Zugang zum Rohstoff, um die Kontrolle und seine Verteilung an die beteiligten Akteure. Oft geht die Rohstoffförderung mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen Hand in Hand. Schließlich dient ihre Gewinnung in manchen Ländern (z.B. Demokratische Republik Kongo) direkt der Finanzierung von bewaffneten Konflikten – Stichwort Blutdiamanten.

Overlay Background Thema 1 - Ressourcenvorkommen Und -verteilung:
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Natürliche Rohstoffe – Finanzierungsquelle und Anlass für Konflikte

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Konflikte um Rohstoffe – das Thema hat derzeit Hochkonjunktur. Häufig wird ein Bedrohungsszenario gezeichnet, in dem die weltweit zunehmende Konkurrenz um Rohstoffe zum Anlass genommen wird, Kriege um Rohstoffe zwischen Staaten vorherzusagen. Oder aktuelle Kriege werden so interpretiert, dass Rohstoff- und Profitinteressen die alleinige Motivation der Kriegsparteien ist, so zum Beispiel im Falle des Irak-Kriegs. 
Tatsächlich können Rohstoffkonflikte auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene auftreten. Zum einen als zwischenstaatliche Rohstoffkonflikte: zwei (oder mehr) Staaten erheben Anspruch auf ein rohstoffreiches Territorium. Zum anderen gibt es innerstaatliche Rohstoffkonflikte: eine Rebellen- oder Sezessionsbewegung macht einem Staat ein rohstoffreiches Territorium streitig. 

Konfliktrohstoffe und „Ressourcenfluch“

Dabei wird deutlich: Sogenannte Konfliktrohstoffe können sowohl Mittel zur Finanzierung eines Krieges als auch Motiv oder Anlass einer kriegerischen Auseinandersetzung sein. Die Definition der NGO Global Witness lautet: „Konfliktrohstoffe sind natürliche Rohstoffe, deren systematische Ausbeutung und deren Handel im Zusammenhang mit einem Konflikt zu schwersten Menschenrechtsverletzungen, Verletzungen des humanitären Völkerrechts oder völkerrechtlichen Straftaten beitragen, zu solchen führen oder von ihnen profitieren.“ (“Conflict resources are natural resources whose systematic exploitation and trade in a context of conflict contribute to, benefit from or result in the commission of serious violations of human rights, violations of international humanitarian law or violations amounting to crimes under international law.”)
Blutdiamanten sind ein Schlagwort, das Krieg und Rohstoffe in direkten Zusammenhang bringt. Es bezieht sich auf Bürgerkriege, in denen Rebellen ihren blutigen Kampf über den Verkauf von Diamanten finanzierten. Dies war in den 1990er Jahren in den westafrikanischen Staaten Angola, Liberia und Sierra Leone der Fall. Handelte es sich bei diesen Konflikten also um Rohstoffkonflikte? Nicht ausschließlich. Die Bürgerkriege in Angola, Liberia und Sierra Leone hatten komplexe Ursachen. Diamanten spielten weniger eine Rolle für den Ausbruch der Konflikte: politische und sozio-ökonomische Gründe waren hier wichtiger. Doch als Finanzierungsquelle waren Diamanten von entscheidender Bedeutung. 
Der Bürgerkrieg in Angola dauerte 26 Jahre. Konfliktgegenstand war die Verteilung politischer Macht nach der Unabhängigkeit. In der ersten Phase, die 1975 begann, wurden die Kriegsparteien von den Blockmächten unterstützt. Die angolanische Regierung erhielt Hilfen aus dem Ostblock, während die UNITA-Rebellen von den Westmächten unterstützt wurden. Bereits zu dieser Zeit setzten beide Seiten auch Erlöse aus Rohstoffvorkommen für ihren Kampf ein. Mit Ende des Kalten Krieges entfiel die Unterstützung der Blockmächte. Zur Finanzierung des Konfliktes wurden Rohstoffe nun essentiell. Die Regierungsseite konnte sich auf die Ölförderung stützen, während die Rebellen Diamantenvorkommen in ihrem Gebiet ausbeuteten. Dazu zogen die Kämpfer auch die Bevölkerung zu Zwangsarbeit in den Diamantengebieten ein. 
Der Bürgerkrieg in Angola ist nur ein Beispiel für einen möglichen Zusammenhang zwischen Rohstoffen und Konflikten. Die Art und Weise, wie Konflikte mit Rohstoffen zusammenhängen, ist vielfältig. Klar ist, dass es keinen Automatismus zwischen dem Vorkommen von Rohstoffen und Gewaltkonflikten gibt. Allerdings gibt es Studien, die eine Korrelation zwischen Rohstoffreichtum und Bürgerkriegen herstellen. Paul Collier und Anke Hoeffler zufolge besteht in Ländern, die stark von Rohstoffexporten abhängig sind, ein größeres Risiko für einen Bürgerkrieg. Spätere Studien hinterfragten einen derart direkten Zusammenhang allerdings. Dennoch besteht für rohstoffreiche Länder die Gefahr, den „Fluch“ der Rohstoffe zu erleben. Denn viele Länder mit großen Rohstoffvorkommen zeichnen sich durch schwache Regierungsführung und wirtschaftliche Instabilität aus. Dieses Phänomen wurde als „Rohstofffluch“ (resource curse) bekannt. Als Auslöser für den Rohstofffluch gilt die „Holländische Krankheit“ (dutch disease): eine Volkswirtschaft, die vom Export eines oder weniger Rohstoffe lebt, tendiert dazu andere Wirtschaftszweige zu vernachlässigen. Diese Abhängigkeit macht das Land wirtschaftlich leicht verwundbar, etwa wenn die Rohstoffpreise fallen. Im Falle eines Preiseinbruchs droht schnell eine Rezession. Und ein wirtschaftlicher Abschwung birgt Konfliktpotentiale, etwa aufgrund sozioökonomischer Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten. Es kommt zum „Paradoxon des Reichtums“ (paradox of plenty): Reichtum an Rohstoffen führt zu einer höheren Krisenanfälligkeit. Es gibt allerdings auch Beispiele, in denen Staaten den Reichtum an Mineralien (Botswana, Chile und Südafrika) oder Öl (Malaysia, Indonesien und Norwegen) zur Steigerung ihrer Wirtschaftsleistung nutzen konnten.

Bürgerkriege und die Rolle von Rohstoffen

Auf innerstaatlicher Ebene gibt es mehrere Konfliktkonstellationen, in denen Rohstoffe eine Rolle spielen können. Hier kann man drei Kategorien unterscheiden: nationaler Verteilungskonflikt um Rohstoffeinnahmen, lokaler Konflikt in Rohstoffregionen und Kriegsökonomien.
Nationaler Verteilungskonflikt: 
Die Erlöse aus dem Rohstoffsektor eines Staates fließen zunächst in den Staatshaushalt. Es liegt damit in der Hand der Regierung, diese Einnahmen zu verwalten und im Rahmen ihrer Politik auszugeben. Das erdölreiche und demokratische Norwegen hat dazu einen Fonds für zukünftige Generationen eingerichtet, damit die Bevölkerung auch langfristig vom Rohstoffreichtum profitiert. In weniger demokratischen Staaten ist statt der breiten Bevölkerung die machthabende Elite Nutznießer: nicht demokratisch legitimierte Staatschefs bestechen mit den Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft und sichern sich so ihre Macht. Durch Korruption bereichern sich auch Regierungs- und Verwaltungsbeamte. Es entstehen Prachtbauten in der Hauptstadt, während in den Rest des Landes nicht investiert wird. Politische Macht bedeutet also den Schlüssel zum Rohstoffreichtum. 
Konzentrieren sich die Vorteile des Rohstoffreichtums in dieser Art auf eine kleine Elite, kann im Rest der Bevölkerung schnell Unmut entstehen. Häufig stehen sich zudem als Profiteure und Benachteiligte verschiedene Bevölkerungsgruppen (Ethnien, soziale Gruppen, unterschiedliche Landesteile) gegenüber. Ökonomische Unzufriedenheit kann sich in diesem Fall mit sozialen und politischen Anliegen vermischen. Der Nährboden für Konflikte ist bereitet. Lässt sich diese Frustration nicht politisch und gewaltfrei ausdrücken, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Gewaltkonflikt. 
Lokaler Konflikt in Rohstoffregionen: 
In den Gebieten, in denen Rohstoffe abgebaut werden, können sich Konflikte rund um die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Anwohner entzünden. Gerade beim Abbau von Erdöl, aber auch bei anderen extraktiven Rohstoffen (Gold, Uran, Erz etc.) wird massiv in die Umwelt eingegriffen. Ganze Landschaften verändern sich und es kommt zu Verschmutzungen von Wasser, Boden und Luft. Zudem müssen Anwohner umgesiedelt werden: teilweise geschieht dies unter Zwang und oft sind die Entschädigungen nicht angemessen. Auch ungeklärte Landbesitzverhältnisse führen zu Problemen, gerade in Bezug auf Entschädigungen. Der Unmut der Bevölkerung äußert sich häufig in sporadischen Sabotageakten oder Angriffen gegen das Personal des Bergbauunternehmens oder seiner Sicherheitsdienste. Werden die Belange der Menschen weder von der eigenen Regierung noch von dem Unternehmen ernst genommen, können die Gewaltakte zunehmen und letztlich auch zum Bürgerkrieg oder zur Forderung nach Sezession führen. 
Kriegsökonomie: Eine auf Rohstoffen basierende Kriegsökonomie entsteht, wenn Rebellen ein rohstoffreiches Gebiet besetzen und ihren Kampf aus den Einnahmen des Rohstoffabbaus finanzieren. Zwar sind die Gründe für den Kampf weiterhin politische, soziale oder andere. Zeitweise kann die Kontrolle über den Abbau und den Schmuggel der Rohstoffe jedoch so lukrativ sein, dass die Fortführung des Konfliktes zum Selbstzweck wird: der Konflikt wird aufrechterhalten, um weiter von den Rohstoffeinnahmen zu profitieren. Diese dienen nicht nur der Finanzierung von Waffen- und Munitionskäufen, der Verpflegung der Kämpfer etc., sondern auch der Selbstbereicherung. 

Rohstoffkonflikte haben also vielfältige Hintergründe und treten in unterschiedlichen Formen auf. Festzuhalten ist, dass die beteiligten Akteure das Geschehen bestimmen und nicht etwa Rohstoffvorkommen per se zu Konflikten führen. Dies öffnet auch Möglichkeiten für ihre Prävention und Einhegung.

Quellen und weiterführende Informationen

Auty, Richard M. (1993). Sustaining development in mineral economies: The resource curse thesis. London: Routledge.

Collier, Paul & Anke Hoeffler. (1998). On Economic Causes of Civil War. Oxford Economic Papers, 50(4). 563–573.

Collier, Paul & Anke Hoeffler. (2004). Greed and grievance in civil war. Oxford Economic Papers (2004) 56 (4): 563-595.

Fatal transactions
http://www.bicc.de/fataltransactions/index.html

Global Witness
http://www.globalwitness.org/

Le Billon, Philippe. (2001). The political ecology of war: Natural resources and armed conflict. Political Geography 20(5), 561–584.

medico international
http://www.medico.de/themen/krieg/rohstoffe/

Samset, Ingrid. (2009). Natural resource wealth, conflict, and peacebuilding. New York: Ralph Bunche Institute for International Studies, City University of New York. Retrieved September 15, 2011
http://statesandsecurity.org/_pdfs/Samset2.pdf

Rohstoffkonflikte

Rohstoffkonflikte können auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene auftreten. Zum einen als zwischenstaatliche Rohstoffkonflikte: zwei (oder mehr) Staaten erheben Anspruch auf ein rohstoffreiches Territorium. Zum anderen gibt es innerstaatliche Rohstoffkonflikte: eine Rebellen- oder Sezessionsbewegung macht einem Staat ein rohstoffreiches Territorium streitig.

Dabei wird deutlich: Sogenannte Konfliktrohstoffe können sowohl Mittel zur Finanzierung eines Krieges als auch Motiv oder Anlass einer kriegerischen Auseinandersetzung sein. Die Definition der NGO Global Witness lautet: „Konfliktrohstoffe sind natürliche Rohstoffe, deren systematische Ausbeutung und deren Handel im Zusammenhang mit einem Konflikt
zu schwersten Menschenrechtsverletzungen, Verletzungen des humanitären Völkerrechts oder völkerrechtlichen Straftaten beitragen, zu solchen führen oder von ihnen profitieren.“

Für rohstoffreiche Länder besteht die Gefahr, den „Ressourcenfluch“ (engl. resource curse) zu erleben. Denn viele Länder mit großen Rohstoffvorkommen zeichnen sich durch schwache Regierungsführung und wirtschaftliche Instabilität aus. In der Konsequenz führt der Reichtum an Rohstoffen dann zu einer höheren Krisen- und Konfliktanfälligkeit.

Rohstoffkontrollregime: Beiträge zur Konfliktprävention

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Rohstoffreiche Länder sind nicht automatisch auch wohlhabende Länder. Schlimmer noch: in einigen rohstoffreichen Ländern herrschen Krieg und Gewalt. Rohstoffkonflikte entzünden sich z.B. an ungerechter Verteilung des Reichtums oder wenn sich die Lebensbedingungen in rohstoffreichen Regionen verschlechtern. Korrupte Eliten profitieren, während der Großteil der Bevölkerung nichts von der Gewinnung hat. In manchen Fällen wird der Rohstoffreichtum von Rebellen kontrolliert und zur Finanzierung ihres Kampfes genutzt.

Idealerweise sollte Rohstoffreichtum jedoch dazu dienen, Armut zu reduzieren und Entwicklung zu fördern. Verantwortungsvolle Regierungen und Unternehmen sollten die Umwelt schützen, die Rechte der Bevölkerung respektieren und die Erlöse aus dem Rohstoffsektor in Entwicklung investieren. In der Pflicht sind hier alle Beteiligten: nicht nur die Regierungen Rohstoff produzierender Länder, sondern auch die Unternehmen, die Regierungen Rohstoff importierender Länder sowie die Finanzierungsinstitute, die z.B. Kredite an Rohstoffunternehmen vergeben.

Nationale Regulierung

Innerhalb eines rohstoffreichen Staates liegt die Hauptverantwortung für die gute Verwaltung des Rohstoffsektors bei der Regierung. Sie ist dafür zuständig, Gesetze und Regelungen zu erlassen und ihre Einhaltung zu überwachen. Dies betrifft ebenso die Steuern und Abgaben, die Unternehmen zahlen müssen, wie auch verbindliche Umwelt- und Sozialstandards sowie nicht zuletzt auch die Verwendung der erzielten staatlichen Einnahmen.

Wenn eine Regierung die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor zum Wohle des Volkes einsetzt, sind Konflikte um die Verteilung dieser Gelder eher unwahrscheinlich. Idealerweise richtet die Regierung dazu einen Rohstofffond ein, dessen Erlöse in nachhaltige und diversifizierte Entwicklung fließen (wie z.B. in Norwegen).

Auch wenn die Regierung den Unternehmen hohe Auflagen im Umwelt- und Sozialbereich auferlegt und sie konsequent überwacht, verringert sich das Konfliktpotential. So kann  Umweltverschmutzung, Zerstörung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung und sozialen Missständen vorgebeugt werden.

Die Verregelung des Rohstoffsektors auf nationaler Ebene bietet also großes Potential für die Konfliktprävention.

Einfluss auf das Verhalten von Regierungen und Unternehmen in rohstoffreichen Ländern können aber auch die Regierungen der Importländer nehmen. Sie können ihre Unternehmen dazu verpflichten, Sozial- und Umweltstandards in der gesamten Lieferkette zu beachten. Auch können sie Vorschriften zur Transparenz erlassen und ihre Vergabe von Bürgschaften davon abhängig machen. Gleiches gilt für Finanzinstitutionen: als weitere Kriterien für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens könnten deren Umwelt- und Sozialbilanz und Korruptionsfreiheit dienen.
Zudem können Länder, die wie Deutschland in großem Stil Rohstoffe importieren, bei den Rohstoffe liefernden Ländern darauf dringen, diese auf umwelt- und sozialverträgliche Art abzubauen. Über bilaterale Kooperation kann zudem die Verbesserung der Verwaltung des Rohstoffsektors unterstützt werden.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Dodd-Frank-Act der USA. Dieses nationale Gesetz schreibt Unternehmen in Bezug auf vier Mineralien aus der Demokratischen Republik Kongo vor, die konfliktfreie Herkunft der Metalle öffentlich nachzuweisen (vgl.: Infotext „Nationale Regulierung von internationalen Unternehmensaktivitäten“).

Internationale Initiativen

Viele nationale Regulierungsmaßnahmen orientieren sich an Initiativen auf internationaler Ebene. Sie stellen Regeln für bestimmte Wirtschaftszweige auf  oder Empfehlungen aus. So will das Kimberley Prozess-Zertifizierungssystem ausschließlich den Handel mit Konfliktdiamanten unterbinden. Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen wiederum setzen Standards z.B. in Bezug auf Geschäfts- und Betriebspraktiken, Transparenz, Korruptionsbekämpfung, Verbraucherschutz, Menschenrechte und Umweltschutz. Diese Richtlinien richten sich an Unternehmen, die in oder aus OECD-Ländern heraus operieren. Falls sich ein Unternehmen nicht an die Leitsätze hält, können Gewerkschaften und NROs Beschwerde bei ihrer Regierung (bzw. dem National Contact Point) einlegen. Wie der Fall dann weiterverfolgt wird, hängt allerdings vom jeweiligen National Contact Point ab.

Außer dem Kimberley Prozess, dessen seine Vorgaben in nationale Gesetzgebung einfließen, gibt es im Rohstoffsektor keine rechtlich verbindlichen internationalen Abkommen. Sonst gibt es lediglich Prinzipien, Standards und Zertifizierungssysteme, zu deren Einhaltung sich Unternehmen selbst bzw. freiwillig verpflichten können. Die Tatsache, dass viele dieser Normen von mehreren Parteien (Regierungen, Unternehmen, Zivilgesellschaft, internationale Organisationen) ausgearbeitet wurden, verleiht ihnen ein gewisses Gewicht. Um die Bedeutung und Wirksamkeit der vielen Initiativen zu erhöhen wäre eine größere Verbindlichkeit wünschenswert. Dies könnte durch unabhängige Kontrollen geschehen. Sinnvoll wären Mechanismen, wonach Verstöße zu Sanktionen führten. In der aktuellen Debatte um Kontrollregime im Rohstoffsektor werden auch internationale Abkommen auf Ebene der Vereinten Nationen in Erwägung gezogen.

Die internationalen Normen richten sich also an Regierungen und/oder Unternehmen. 
Zu unterscheiden sind freiwillige und verbindliche Abkommen sowie sektorale oder allgemeine Vorschriften. Die untenstehende Tabelle gibt einen Überblick über ausgewählte Initiativen.

Quellen und weiterführende Informationen

Böge, Volker, Fitzpatrick, Christopher, Jaspers, Willem & Wolf-Christian Paes: BICC brief 32 - Who's Minding the Store? The Business of Private, Public and Civil Actors in Zones of Conflict, March 2006
http://www.bicc.de/publications/briefs/brief-32.html

Guesnet, Lena, Müller, Marie & Jolien Schure: BICC brief 40 - Natural Resources in Côte d’Ivoire: Fostering Crisis or Peace? The Cocoa, Diamond, Gold and Oil Sectors, December 2009
http://www.bicc.de/publications/briefs/brief-40.html

Frank, Claudia & Lena Guesnet: BICC brief 41 - “We were promised development and all we got is misery”— The Influence of Petroleum on Conflict Dynamics in Chad, December 2009
http://www.bicc.de/publications/briefs/brief-41.html

Forschungsprojekt Menschenrechte, Unternehmensverantwortung und Nachhaltige Entwicklung der Universität Duisburg- Essen 
http://humanrights-business.org/

GIGA - German Institute of Global and Area Studies - Forschungsteam Natürliche Ressourcen und Sicherheit
http://www.giga-hamburg.de/index.php?file=ft1.html&folder=fsp2 

Global Policy Forum -  The Dark Side of Natural Resources
http://www.globalpolicy.org/the-dark-side-of-natural-resources-st.html

Kimberley Process
http://www.kimberleyprocess.com/home/index_en.html

Rohstoffkontrollregime: Beiträge zur Konfliktprävention

Rohstoffreiche Länder sind nicht automatisch auch wohlhabende Länder. Schlimmer noch: in einigen rohstoffreichen Ländern herrschen Krieg und Gewalt. Rohstoffkonflikte entzünden sich z.B. an ungerechter Verteilung der Erträge oder wenn sich die Lebensbedingungen in rohstoffreichen Regionen verschlechtern. Korrupte Eliten profitieren, während der Großteil der Bevölkerung nichts von der Gewinnung hat. In manchen Fällen wird der Rohstoffreichtum von Rebellen kontrolliert und zur Finanzierung ihres Kampfes genutzt.

Idealerweise sollte Rohstoffreichtum jedoch dazu dienen, Armut zu reduzieren und Entwicklung zu fördern. Verantwortungsvolle Regierungen und Unternehmen sollten die Umwelt schützen, die Rechte der Bevölkerung respektieren und die Erlöse aus dem Rohstoffsektor in Entwicklung investieren. In der Pflicht sind hier alle Beteiligten: nicht nur die Regierungen Rohstoff produzierender Länder, sondern auch die Unternehmen, die Regierungen Rohstoff importierender Länder sowie die Finanzierungsinstitute, die z.B. Kredite an Rohstoffunternehmen vergeben.

Nationale und internationale Regelwerke, etwa zur Verwaltung des Rohstoffsektors, zu Umwelt- und Sozialstandards, zur Korruptionsbekämpfung sowie zum Ausschluss von Konfliktrohstoffen aus dem Handel können Konflikten vorbeugen helfen und für mehr Gerechtigkeit sorgen.

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